Schlagwort-Archive: Stuttgart

Tagebuch eines Aussteigers – Teil 1

Hier veröffentlichen wir in loser Folge die Briefe von Thomas, der nach 8-monatiger Vorbereitung seine Wohnung in Stuttgart kündigte, um in einem 4 Ar großen Gartengrundstück – so naturverträglich wie möglich – im Schurwald zu leben. Ganz aus der Gesellschaft ausgestiegen ist Thomas aber nicht, seine politische Arbeit führt er mitten aus der Natur fort. Fragen, Zuspruch, Briefe (hier gehts zur Anschrift) etc. leiten wir gerne an ihn weiter.

1. August 2013

Heute ist der erste Tag von meinem Experiment. Gestern war die offizielle Wohnungsübergabe und Schlüsselübergabe meiner bis dato bezogenen Wohnung in Stuttgart.

Ab heute ist es so, dass sich nur noch eine Postanschrift im Stuttgarter Westen habe und ansonsten in meinem Garten im Schurwald lebe. Das Gartenhaus-Grundstück ist ca. vier Ar groß, hat eine kleine Hütte von ca. 5 m², mehrere Streuobstwiesenbäume, Hasselnuss, Wacholder und Brombersträucher. Es ist sehr schön verwachsen und in ca. 100 m ist eine Quelle (sogar Trinkwasser). weiterlesen

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Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz bei 1. Mai-Demo in Stuttgart

20130501-DSC_1847Im Anschluss an die DGB-Demo zogen mehrere hundert, der insgesamt 6000 DemonstrantInnen weiter zur Revolutionären 1. Mai-Demo, die vom Schlossplatz starten sollte. Schon anfangs kam es zu einer ersten Provokation durch einen Polizisten vom sogenannten „Anti-Konflikt-Team“: Ein paar DemonstrantInnen verteilten eine Zeitung zum 1. Mai, diese riss der Polizist einem von ihnen aus der Hand. Später gab er die Zeitung wieder zurück. Verhältnismäßig harmlos in Anbetracht der Situation, die sich etwa eine Stunde später am Marienplatz abspielte.

Der Demozug lief schnell die Hohenstaufenstraße zum Marienplatz hinunter. An der Kreuzung Tübinger Straße/Marienplatz wurden die DemonstrantInnen schon von Polizisten erwartet, die sich ihnen mit quer gehaltenen Schlagstöcken entgegenstellten. 20130501-DSC_2076aDer Demozug stoppte und es kam zu einem Schieben von beiden Seiten. „Die Ordner und der Anmelder sind gleich nach vorne gekommen, um die Situation zu klären,“ berichtet eine Augenzeugin. „Dann habe ich gesehen, wie ein Polizist unvermittelt mit seinem Schlagstock ausholt und den Anmelder der Demo in den Bauch schlägt.“

Eine junge Frau erzählt, wie sie im Gerangel auf den Boden fällt. Als sie nicht gleich aufsteht, schlägt ein Polizist mit dem Schlagstock gegen ihren Kopf. „Dann ist dieses „Anti-Konflikt-Team“ gleich zu mir hin gelaufen und sie haben gefragt, was passiert sei, als hätten sie nichts mit ihren Kollegen zu tun,“ meint sie später.

Auch eine weitere Frau trägt eine stark blutende Platzwunde durch Schlagstockeinsatz am Kopf davon.

Nach etwa 20 Minuten wurde der Demozug bis zum Ende der Demoroute am Erwin-Schoettle-Platz von einem Spalier behelmter Polizisten eskortiert.

Die Demosanitäter berichten von insgesamt etwa 20 Verletzten, neben den Verletzungen durch Schlagstockeinsatz hauptsächlich durch Pfefferspray, das die Polizei in den vorderen Teil des Demozuges gesprüht hatte. Außerdem wurde eine Rückenverletzung sowie mehrere Prellungen, v.a. an Händen und Beinen, gemeldet. Hinzu kommen noch weitere kleinere Verletzungen (z.B. kleinere Wunden). Bei der Versorgung von Verletzten wurden die Demosanitäter mehrfach durch Polizisten behindert.

Anmerkung: Die Zahl der Verletzten war in einer früheren Version des Artikels zunächst mit 15 angegeben, im Laufe des Nachmittags mussten jedoch noch weitere Verletzte von den Demosanitätern versorgt werden.

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Fotos: Jens Volle und Alexander Schäfer (Bild Nr.3)


Bilder von Karls Haftantritt


„Ihr könnt uns nicht so einfach wegschlichten + wegbürgerbeteiligen!“ – meine Rede bei der Mahnwache im Schlossgarten am 14.02.13

Vor etwa einer Stunde bin ich von einem Solidaritätsbesuch bei den WaldbesetzerInnen vom Hambacher Forst zurück gekommen. Und so ein Treffen mit anderen Widerstandsgruppen gibt einem auch gleichzeitig eine neue Perspektive zum eigenen Widerstand. Gestern war das „Drei-Monatige“ der Räumung im Hambacher Forst. Bei uns hier ist die Räumung jetzt ein Jahr her – wohlgemerkt die zweite Parkräumung.

20130214-DSC_7541Dort, beim Hambacher Forst, ging es nach vier Tagen Pause gleich weiter mit dem nächsten Camp. Und jetzt am Wochenende ist das erste Vernetzungstreffen mit den Bürger-Inis vor Ort. Erwartet werden 50 Menschen, was dort schon ein Erfolg wäre. 60 Menschen auf einer Demo gegen den Hambacher Tagebau sind schon viele, oft kommen nur 20, wurde mir dort berichtet. Obwohl es die Besetzung beim Hambacher Forst schon seit knapp einem Jahr gibt, ist die Widerstandsbewegung dort erst in ihren Anfängen.

Die Bewegung gegen S21 hat schon sehr früh ihre Leichtigkeit verloren, fort gespült mit Wasserwerfern, weggeknüppelt und dann weggeschlichtet. Aber wir sind trotzdem noch hier.

Der erste grüne Ministerpräsident hat unserem Widerstand scheinbar statt Wasserwerfern nur so etwas wie Hausdurchsuchungen nach dem 20.06.11 beschert – und Lippenbekenntnisse.

Letztes Jahr, nicht mal eine Woche vor der Parkräumung und der anschließenden Rodung hat MP Kretschammn zehn Parkschützer und zehn AnStifter zu einem exklusiven Gespräch geladen. Ich war auch dabei. Ein paar von uns hatten sich Hoffnungen gemacht, noch etwas stoppen zu können. Doch MP Kretschmann interessierte sich nicht für ihre Argumente. Seine Botschaft an uns war: Wenn wir weiterhin die Volksabstimmung nicht akzeptieren, würden wir uns in eine Richtung bewegen, die ihm große Sorgen bereite. Wir wären dann nämlich nicht mehr demokratisch.

Und was macht MP Kretschmann jetzt? Er sagt, er möchte keine Ausstiegsdebatte eröffnen. Dabei sind wir doch da schon mitten drin.

Dadurch, liebe aufmüpfige WiderständlerInnen, dass wir immer noch hier sind, dass wir uns weder durch Wasserwerfer und Hausdurchsuchungen noch durch Aufenthaltsverbote und andere Repressalien einschüchtern lassen, dadurch kann Stuttgart 21, ja können allgemein unnütze Großprojekte nicht mehr einfach so durchgezogen werden.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir weiterhin Präsenz zeigen und unsere Aktionen durchziehen. Denn so zeigen wir: Ihr könnt uns nicht einfach wegschlichten oder wegbürgerbeteiligen. Unser Widerstand geht weiter bis S21 gestoppt ist. Und egal was dann behauptet wird: Das Aus von Stuttgart 21 wird kein Verdienst von irgendwelchen Politikern sein. Oben bleiben!

P.S.: Danke an die Versorger + die Blockadegruppe und Ben für die Moderation! Und hier die Rede von Zwuckelmann.


Serie Archiv-einund20.5: Interview mit Paul Russmann „Stuttgarter Friedenspreis für Aktion Aufschrei!“

Erstveröffentlichung des Interviews mit Paul Russmann in der einund20 vom September 2012.

Stuttgarter Friedenspreis 2012 für Aktion Aufschrei! „Waffenexporte heizen das weltweite Wettrüsten weiter an“

Der mit 5.000 Euro dotierte Stuttgarter Friedenspreis wird seit 2003 durch das Bürgerprojekt Die AnStifter an Personen und Projekte verliehen, die sich „in besonderer Weise für Frieden, Gerechtigkeit und eine solidarische Welt“ engagieren. Dieses Jahr geht der Preis an die Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!, ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, dass sich gegen Waffenexporte engagiert. Die Verleihung des Stuttgarter Friedenspreises 2012 findet im Rahmen der Stuttgarter Friedensgala am Donnerstag, den 22. November 2012 um 19:30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart statt.

Das Gespräch mit Paul Russman, Kampagnensprecher der Aktion Aufschrei, führte Julia von Staden.

Julia von Staden: Laut dem Grundgesetz sind Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, verfassungsfeindlich. Und trotzdem dürfen Kriegswaffen exportiert werden?

Paul Russmann: Ja, und trotzdem werden Kriegswaffen exportiert. In Artikel 26 (2) des GG steht aber, dass Waffen nur mit Genehmigung der Bundesregierung innerhalb Deutschlands 20121122-_DSC2279hier transportiert werden dürfen. Das war aber zu einer Zeit, in der es überhaupt noch keine neue Rüstungsindustrie gab. In der es den Deutschen nach den Erfahrungen des 2. Weltkrieges von den Alliierten verboten war, Waffen zu produzieren und zu exportieren. Und wir gehen davon aus, dass eigentlich auch die Verfassungsväter nie daran gedacht haben, dass im großen Stil Kriegswaffen und , sonstige Rüstungsgüter produziert und exportiert werden könnten. Der Waffenhandel regelt heute das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz. Und man unterscheidet zwischen Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern. Und Kriegswaffen können schwerer exportiert werden, sonstige Rüstungsgüter können relativ leicht exportiert werden. weiterlesen


Serie Archiv-einund20.4: Eingekesselt

Erstveröffentlichung von „Eingekesselt“ in der einund20 vom September 2012.

Es ist Montag, der 30. Juli kurz vor halb 12 Uhr mittags. Ich stand am Rotebühlplatz und versuchte, die Szenerie zu überblicken: Was machen die Gegendemonstranten, von wo kommt der NPD-LKW und wie verhält sich die Polizei? Der LKW der NPD hatte gerade die Kreuzung am Rotebühlplatz erreicht, da drängten auch schon dutzende behelmte Polizisten alle Umstehenden exakt an jene Hauswand, an der ich bereits stand. Ein paar Augenblicke später schloss sich die Polizeikette um uns und der NPD-LKW mit der Aufschrift „unterwegs für deutsche Interessen“, gesäumt von Polizisten in voller Montur, fuhr über die Kreuzung. Doch obwohl diese schon umstellt und abgesperrt war, wurden wir, allesamt willkürlich Gefangene, nicht wieder freigelassen. Weder informierte uns jemand, warum wir hier festgehalten wurden, noch wie lange das dauern würde, geschweige denn, was als Nächstes geschehen sollte. Direkt neben mir fing eine Frau, etwa Mitte dreißig, die sich auf ein Fahrrad stützte, an zu schluchzen: „Seit dem 30.9.2010 macht mir die Polizei einfach nur noch Angst“, sagte sie. Dann wurde sie von zwei Beamten aus dem Polizeikessel geführt. Ich fragte den Polizeiführer, ob ich auch gehen könne. Er kam mir unangenehm nahe, als er antwortete: „Sie nicht. Sie gehören dazu.“ Doch eine ganze Weile später wurde auch ich von zwei Beamten aus dem Kessel geführt. Ich wollte meine Beschwerde zu Protokoll geben. „Das können Sie auf der Wache beim Sachbearbeiter“, hieß es. Meinen Personalausweis musste ich zuerst abgeben, dann auch meine Handtasche; ich wurde durchsucht und von Kopf bis Fuß mit einer Handkamera abgefilmt, die Hände mit Kabelbindern hinter meinem Rücken gefesselt, und ich musste in den Laderaum eines fensterlosen Gefangenentransporters steigen; nur wenig Licht drang durch ein kleines Dachgitter. Auf blanken Bänken saß ich neben fünf anderen, gleichermaßen Gefesselten. Als unsere Fahrt ins Ungewisse begann, konnten wir uns weder anschnallen noch festhalten. weiterlesen


Serie Archiv-einund20.3: Interview mit Sabine Schmidt (Mahnwache) „Wir bleiben weiter oben!“

Erstveröffentlichung des Interviews mit Sabine Schmidt (Mahnwache) „Wir bleiben weiter oben!“ in der einund20 vom August 2012.

1. Die Mahnwache feiert nun schon ihr Zweijähriges. Was hat euch motiviert, so lange durchzuhalten?
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20110209-_DSC2766Wir finden es auch unglaublich, dass uns das gelungen ist! Am Anfang dachten wir ja, das klappt höchstens einige Tage. Es gibt so viele Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt und auch im Umland, die bereit sind für den Erhalt bzw. die Verbesserung von Lebensqualität, Erhalt unserer Mineralquellen und um sinnvolle Verkehrspolitik zu kämpfen und die so viel innere Empörung haben, was hier in dieser Stadt (so wie in vielen anderen Städten ja auch) passiert, dass das wohl immer noch Motivation genug ist um immer wieder, immer wieder in diesem Zelt rumzustehen oder sogar die Nächte zu opfern. Ich finde unser Nachtteam sind echte Helden, auch wenn es bei Schnee, Regen und Kälte/Hitze tagsüber manchmal auch nicht grad witzig ist.
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  2. Welche Aufgabe und welchen Stellenwert hat die Mahnwache innerhalb der Bewegung gegen Stuttgart 21?
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Die Mahnwache hat über die ganzen 2 Jahre (Ja, das Zelt ist weiterhin Tag und Nacht mit 2-3 Leuten besetzt) die Bürger über das Projekt, die Schwächen, die Unsinnigkeiten, die Fakten informiert. Außerdem ist die Mahnwache immer auch beliebter Treffpunkt und Anlaufstelle für Austausch innerhalb der Bewegung genauso wie für Menschen von außerhalb. Es kommen immer wieder Menschen, egal ob aus Karlsruhe, München, Paris und sagen, dass sie uns aus der Presse kennen und Flyer bzw. Infos hören wollen, warum Stuttgart 21 so ein Schwachsinn ist. Gerade jetzt auch am neuen Standort, den wir seit April 2012 bezogen haben, kommen Bürger vorbei, weil sie uns halt da stehen sehen und wollen sich jetzt endlich auch mal informieren. Wir sehen uns auch als den immer sichtbaren Stachel. Der Widerstand gegen Stuttgart21 ist weiterhin sehr lebendig.
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3. Gibt es besondere Augenblicke vom Mahnwachendienst, an die du dich immer wieder erinnerst? Wie ist das Feedback das ihr von Passanten bekommt?
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Es gibt so viele kleine Augenblicke die sehr berührend sind oder waren, leider fehlte die Zeit sich da mehr Notizen zu machen. Aber wir bekommen so häufig Anerkennung von so vielen Menschen, dass sie uns toll finden, dass wir durchhalten sollen, dass wir Vorbild und Ermunterung für viele Menschen in anderen Städten seien. Es menschelt sehr an der Mahnwache und das hilft sehr durchzuhalten.

Es gibt viele kleine Gesten die lustig und schön sind. Es gibt z.B. eine Frau, die uns jeden Montag vor der Montagsdemo 2 Becher geschnittenes Obst bringt. Wir haben auch schon unglaublich viele selbstgebackene Kuchen, Brezeln, Schokolade, Kaffee etc. geschenkt bekommen. Das sind die persönlichen Ausdrucksformen die uns allen Freude machen. Vielen hängt ihr Herz an der Mahnwache, sie kommen mit Informationen, ob wir diese auch wichtig finden und kopieren wollen etc. etc. Berührend finde ich auch immer wieder die Bemerkungen die Menschen machen, wenn sie einen kleinen oder auch größeren Schein in die Spendendosen stecken oder wenn Kinder einen Aufkleber oder Button haben wollen und es ihnen ganz wichtig ist, auch etwas Geld in die Dose zu tun zu.

Es gibt aber immer wieder auch Menschen die uns als rückständig, dumm oder sonst wie beschimpfen, es ist eine Herausforderung mit diesen Angriffen gut umzugehen. Wir freuen uns immer besonders über welche, die sich erst sehr kritisch zu uns äußern, sich dann aber auf eine gute Diskussion einlassen. Durch ein sachliches und fachlich mit guten Argumenten geführtes Gespräch sich dann doch überzeugen lassen, warum der Kopfbahnhof21 die deutliche bessere Alternative ist.
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4. Wie viele Menschen helfen bei der Mahnwache aus? Und gibt es bestimmte Anforderungen, die man erfüllen sollte, um mitzuhelfen?
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Wir haben natürlich keine Statistiken geführt, aber wir vermuten, dass insgesamt über die 2 Jahr so ca. 600 Leute in der Mahnwache Dienste taten. Manche waren nur einige Male da, sehr viele sind aber von Anfang an mit dabei und erfreulicherweise kommen auch neue engagierte Menschen dazu. Aktuell sind es ca. 150 MahnwächtlerInnen. Die Anforderung ist natürlich sich mit dem Projekt bzw. den Argumenten etwas auszukennen.
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5. An wen kann man sich wenden, wenn bei der Mahnwache mithelfen möchte?
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Gerne einfach zum Zelt kommen und nach freien Dienstlücken fragen. „Frische“ Helferinnen und Helfer sind uns willkommen, zumal es immer wieder wirklich schwierig ist alle Dienste zu besetzen.

Über die Serie Archiv-einund20: Die einund20 gibt es nicht mehr. Die Webseite der Zeitung ist nicht mehr online und die dort veröffentlichten Artikel sind nicht mehr zugänglich. Deshalb werde ich in den nächsten Tage sämtliche Artikel, die ich für die einund20 geschrieben habe hier im Blog veröffentlichen.


Serie Archiv-einund20.2: Bestgeplantes Projekt Europas! Neues Planfeststellungsverfahren für das GWM

Erstveröffentlichung von „Bestgeplantes Projekt Europas! Neues Planfeststellungsverfahren für das Grundwassermanagement“ in der einund20 vom August 2012

Entgegen aller Beteuerungen der Deutschen Bahn steht nun fest, dass eine einfache Änderung der wasserrechtlichen Genehmigung nicht genügt. Ende Juni 2012 leitete das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beim S21-Grundwassermanagement ein.

20120225-_DSC4123Schon letztes Jahr im Mai hatte die Bahn verkündet, dass statt der 3,2 Mio. m³ Grundwasser zum Trockenhalten der Baugruben die doppelte Menge, also 6,8 Kubikmeter abgepumpt werden müssen. Gleichzeitig hatte sie eine Änderung der wasserrechtlichen Genehmigung beim Eisenbahn-Bundesamt beantragt. „Ein neues Planfeststellungsverfahren wird definitiv nicht erforderlich sein“, betonte damals noch Projektsprecher Wolfgang Dietrich und bezeichnete entsprechende Ergebnisse eines vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens als „nicht haltbar“. „Das Ganze ist ein durchsichtiger Versuch“, so Dietrich im Juni 2011, „mit einem offenkundigen Gefälligkeitsgutachten das Vorhaben und die geplanten weiteren Baumaßnahmen in Frage zu stellen.“

Ende Juni 2012, also fast ein Jahr später nun fest, dass es diese Änderungsplanfeststellung tatsächlich geben wird, die bisher siebte S21-Planänderung. Um die zusätzlichen Wassermengen zu bewältigen, ist nun auch eine zweite GWM-Anlage in Planung. Die bereits gebaute Anlage, für die am 30.9.2010 der Park geräumt und einen Tag später 27 Bäume gefällt wurden, ist jedoch noch immer nicht in Betrieb, da eine vorherige Planänderung (die fünfte) vom EBA noch nicht abgeschlossen worden ist. Auch die Baugrube des Tiefbahnhofs, für die 177 weitere Bäume ab dem 15.2.2012 gefällt wurden, wurde noch nicht ausgehoben. Die DB geht weiterhin von einem Baubeginn 2013 aus. Äußerungen über etwaige Mehrkosten machten vor Abschluss des Planänderungsverfahren laut einer Projektsprecherin keinen Sinn. weiterlesen


Peter Grohmann wird 100

Lieber Peter,

da gestern ja genug gelobhudelt wurde und schon wirklich jeder seinen Senf zu Deinem Jubiläum dazugegeben hat mache ich jetzt hier an dieser Stelle weiter.

Wir kennen uns ja leider erst seit knapp 2 Jahren, obwohl es sich anfühlt wie 20, nach all den Dingen die Du in dieser Zeit getan hast ( Stuttgart 21 gestoppt, die Eurokrise verhindert, die NATO entwaffnet, die Bundeswehr abgeschafft, Deine sehr gewagte Idee umgesetzt die arbeitslosen SoldatInnen zu ErzieherInnen umzuschulen… um nur ein paar Dinge zu nennen). Ich war zwar nicht immer dabei, aber wenn dies der Fall war, dann hats immer nen Riesenspaß gemacht! Es ist sehr beeindruckend, wie Du es schaffst Menschen zum lachen zu bringen, während Du wirklich ernste Themen anpackst. Eine Gabe, die Dich so einmalig und unverwechselbar macht.

Vielen Dank, Peter, für Dein unermüdliches Engagement und Deinen Spass an der Verbesserung dieser Welt!

Das einzige was ich nicht so ganz in Ordung finde ist, dass Du dem Obama seine Autoschlüssel versteckt hast. Gib sie ihm doch bitte wieder, der Arme sucht ganz verzweifelt in ganz Asien danach und stürzt sich in immense Unkosten dadurch, weil er denkt mit Drohnen würde er sie finden.

Ich freue mich auf weitere 100 spannende und aufregende Jahre mit Dir und lass Deine Finger überall im Spiel, wo noch Bedarf an Veränderung da ist. Wobei aus Angelas Handtäschchen kannst sie ja wieder rausnehmen, weil ich glaube die Quittung von der Doktorarbeit, die Du ihr geschieben hast wurde längst vom Verfassungsschutz geschreddert

Ecke weiter an, ärgere die Mächtigen, bring Unruhe in den Laden und stife weiter an!

Gehe weiter Deinen gewohnten Weg!

 

Herzlichst,

Dein Jens

P.S.: Heute Mittag hab ich leider den Stefan (Mappus) in der Sauna getroffen und er hat mir aufgetragen Dir auszurichten, dass er ganz traurig ist, weil er sich angeblich wegen Dir nicht mehr zu Mutti traut…keine Ahnung was der damit gemeint hat.

Zu guter Letzt habe ich in meinem Bilderarchiv noch ein paar Fotos von Deiner Geburtstagsfeier gestern und noch ein paar aus Deiner Kindheit gefunden:


[Update] Schon wieder Hausdurchsuchung bei S21-Gegnern!

Da dachte ich eigentlich fast schon, die Hausdurchsungswelle würde wieder abebben – und mein Artikel für die Graswurzelrevolution wäre schon eher ein Resümée dieser Repressionspraxis. Doch wie konnte ich das überhaupt annehmen?! Als Zynikerin könnte man ja meinen: „Nachdem die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nicht mehr wegen des SS-Massakers in Sant’Anna di Stazzema ermittelt, sind ja wieder mehr Kapazitäten für die wahren Verbrecher frei.“Gestern war es dann schon wieder soweit: Eine weitere Hausdurchsuchung bei S21-Gegnern! Details folgen sicher noch im Laufe des Tages auf BAA.
[Update]: Am 24.10. schreibt die StN-online von einem Polizeibeamten, bei dem die Hausdurchsuchung stattgefunden hat. Das habe die Staatsanwaltschaft bestätigt. Er wird beschuldigt, Dienstgeheimnisse der Sicherheitsbehörden verraten zu haben. Es geht dabei um sogenannte Gefährdungslagebilder und Informationen zur Überwachung von S21-Gegnern, die Dieter Reicherter, Richter, a.D. öffentlich gemacht hatte.* Bei ihm gab es auch schon eine Hausdurchsuchung dazu.** Da waren Staatsanwaltschaft und StN leider schneller als die Betroffenen. Schade! Ich hätte sehr gerne zuerst ihre PM gelesen, bevor es in der Zeitung steht. Deutungshoheits-Ausgleich und so.

*Der Text Reicherters zur Überwachung der S21-GegnerInnen findet sich hier: www.bei-abriss-aufstand.de/2012/02/25/bespitzelt-der-verfassungsschutz-parkgebete/

**Dieter Reicherters Erklärung zu seiner Hausdurchsuchung ist hier nachzulesen: www.bei-abriss-aufstand.de/2012/07/15/hausdurch suchung-erklarung-von-richter-reicherter/


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