Schlagwort-Archive: Politik

Bilder von Karls Haftantritt


Bilder der Solidaritätsfahrt nach Sant‘ Anna di Stazzema


Peter Grohmann wird 100

Lieber Peter,

da gestern ja genug gelobhudelt wurde und schon wirklich jeder seinen Senf zu Deinem Jubiläum dazugegeben hat mache ich jetzt hier an dieser Stelle weiter.

Wir kennen uns ja leider erst seit knapp 2 Jahren, obwohl es sich anfühlt wie 20, nach all den Dingen die Du in dieser Zeit getan hast ( Stuttgart 21 gestoppt, die Eurokrise verhindert, die NATO entwaffnet, die Bundeswehr abgeschafft, Deine sehr gewagte Idee umgesetzt die arbeitslosen SoldatInnen zu ErzieherInnen umzuschulen… um nur ein paar Dinge zu nennen). Ich war zwar nicht immer dabei, aber wenn dies der Fall war, dann hats immer nen Riesenspaß gemacht! Es ist sehr beeindruckend, wie Du es schaffst Menschen zum lachen zu bringen, während Du wirklich ernste Themen anpackst. Eine Gabe, die Dich so einmalig und unverwechselbar macht.

Vielen Dank, Peter, für Dein unermüdliches Engagement und Deinen Spass an der Verbesserung dieser Welt!

Das einzige was ich nicht so ganz in Ordung finde ist, dass Du dem Obama seine Autoschlüssel versteckt hast. Gib sie ihm doch bitte wieder, der Arme sucht ganz verzweifelt in ganz Asien danach und stürzt sich in immense Unkosten dadurch, weil er denkt mit Drohnen würde er sie finden.

Ich freue mich auf weitere 100 spannende und aufregende Jahre mit Dir und lass Deine Finger überall im Spiel, wo noch Bedarf an Veränderung da ist. Wobei aus Angelas Handtäschchen kannst sie ja wieder rausnehmen, weil ich glaube die Quittung von der Doktorarbeit, die Du ihr geschieben hast wurde längst vom Verfassungsschutz geschreddert

Ecke weiter an, ärgere die Mächtigen, bring Unruhe in den Laden und stife weiter an!

Gehe weiter Deinen gewohnten Weg!

 

Herzlichst,

Dein Jens

P.S.: Heute Mittag hab ich leider den Stefan (Mappus) in der Sauna getroffen und er hat mir aufgetragen Dir auszurichten, dass er ganz traurig ist, weil er sich angeblich wegen Dir nicht mehr zu Mutti traut…keine Ahnung was der damit gemeint hat.

Zu guter Letzt habe ich in meinem Bilderarchiv noch ein paar Fotos von Deiner Geburtstagsfeier gestern und noch ein paar aus Deiner Kindheit gefunden:


Zaungäste und Robocops

Gehört behelmte Polizei mittlerweile zum Stadtbild dazu?

23.10.2011 – Stuttgart

Vor über 2 Jahren, am 01.Mai 2010 in Berlin, habe ich zum ersten Mal behelmte und in voller Kampfmontur ausgerüstete PolizistInnen im Einsatz aus nächster Nähe miterlebt. Bei dieser mindestens bundesweit bekannenten revolutionären 1.Mai-Demonstration sicherlich nichts allzu Außergewöhnliches. Seit diesem Tag war ich bei sehr vielen weiteren Demonstrationen mit gleichzeitigem Polizeigroßeinsatz dabei.

Meinem persönlichen Gefühl nach hat sich die Zahl der Gelegenheiten, bei denen ich auf Bereitschaftspolizisten treffe, in den letzten 2 Jahren sehr erhöht. Natürlich hat das mit meinem Beruf als Fotojournalist zu tun und damit, dass ich solche Gelegenheiten in gewisser Weise auch suche. Doch als ich letzten Samstag in Göppingen bei der Gegendemonstration zu einem Naziaufmarsch war, ist mir aufgefallen, dass es da eine Gruppe gibt, deren Beteiligung am Geschehen mir vorher nicht so bewusst gewesen ist: die Zaungäste. Sie sind diejenigen, die neben den DemonstrantInnen auf der einen Seite, den PolizistInnen auf der anderen und den FotografInnen und JournalistInnen irgendwo dazwischen, mehr oder weniger zufällig vor Ort sind. Es ist die Gruppe der Schaulustigen, PassantInnen oder AnwohnerInnen. Gerade in Göppingen sind mir vermehrt Menschen begegnet, hauptsächlich solche, die mit Lederhosen oder Dirndl bekleidet waren, die schnurstracks zum Bahnhof gingen oder an einer Ecke standen und auf jemanden gewartet haben und dem Anschein nach so gut wie gar nicht auf das massive Polizeiaufgebot reagierten. Allenfalls haben sie ihren Unmut darüber nach außen getragen, dass sie nicht ohne Weiteres und ohne Umwege in Richtung Bahnhof gehen konnten, um von dort aus zum Stuttgarter Volksfest zu fahren. weiterlesen


Eingekesselt – oder wie ich bei der Demo gegen die NPD verhaftet wurde

Eingekesselt – oder wie ich bei der Demo gegen die NPD verhaftet wurde

Erstveröffentlichung: einund20, September-Ausgabe

 

Es ist Montag, der 30. Juli kurz vor halb 12 Uhr mittags. Ich stand am Rotebühlplatz und versuchte, die Szenerie zu überblicken: Was machen die Gegendemonstranten, von wo kommt der NPD-LKW und wie verhält sich die Polizei? Der LKW der NPD hatte gerade die Kreuzung am Rotebühlplatz erreicht, da drängten auch schon dutzende behelmte Polizisten alle Umstehenden exakt an jene Hauswand, an der ich bereits stand. Ein paar Augenblicke später schloss sich die Polizeikette um uns und der NPD-LKW mit der Aufschrift „unterwegs für deutsche Interessen“, gesäumt von Polizisten in voller Montur, fuhr über die Kreuzung. Doch obwohl diese schon umstellt und abgesperrt war, wurden wir, allesamt willkürlich Gefangene, nicht wieder freigelassen. Weder informierte uns jemand, warum wir hier festgehalten wurden, noch wie lange das dauern würde, geschweige denn, was als Nächstes geschehen sollte. Direkt neben mir fing eine Frau, etwa Mitte dreißig, die sich auf ein Fahrrad stützte, an zu schluchzen: „Seit dem 30.9.2010 macht mir die Polizei einfach nur noch Angst“, sagte sie. Dann wurde sie von zwei Beamten aus dem Polizeikessel geführt. Ich fragte den Polizeiführer, ob ich auch gehen könne. Er kam mir unangenehm nahe, als er antwortete: „Sie nicht. Sie gehören dazu.“ Doch eine ganze Weile später wurde auch ich von zwei Beamten aus dem Kessel geführt. Ich wollte meine Beschwerde zu Protokoll geben. „Das können Sie auf der Wache beim Sachbearbeiter“, hieß es. Meinen Personalausweis musste ich zuerst abgeben, dann auch meine Handtasche; ich wurde durchsucht und von Kopf bis Fuß mit einer Handkamera abgefilmt, die Hände mit Kabelbindern hinter meinem Rücken gefesselt, und ich musste in den Laderaum eines fensterlosen Gefangenentransporters steigen; nur wenig Licht drang durch ein kleines Dachgitter. Auf blanken Bänken saß ich neben fünf anderen, gleichermaßen Gefesselten. Als unsere Fahrt ins Ungewisse begann, konnten wir uns weder anschnallen noch festhalten. weiterlesen


Eingekesselt, gefesselt und in Kellerzellen gesteckt – offener Brief an IM Gall

Am Montag stand ich mit Jens an der Kreuzung am Rotebühlplatz und musste beobachten, wie der NPD-Wagen – abgeschirmt durch die Polizei – in Richtung Veranstaltungsort fuhr. Eigentlich dachte ich, dass damit mein Protest für diesen Tag beendet war – ich hatte noch andere Termine und war zudem zu einem späten Frühstück verabredet. Doch die Polizisten, die mich und etwa 70 weitere Nazigegner und Passanten eingekesselt hatten, dachten nicht daran, uns gehen zu lassen. Nach etwa einer Stunde wurden wir nach und nach aus dem Kessel geführt, mit Kabelbindern gefesselt und schlussendlich in Kellerzellen gesteckt. Uns wurde kein Grund für dieses erschreckende Vorgehen genannt.

Ich sagte verschiedenen Polizisten immer wieder, dass ich mich beschweren und Widerspruch gegen diese Freiheitsberaubung einlegen wolle. Und immer wieder wurde ich auf den Sachbearbeiter verwiesen, dem ich das gleich erzählen könne. Während wir zuletzt auf der Wasenwache die Stufen zu den Kellerzellen herunter gehen mussten insistierte ich nochmals darauf, Widerspruch einzulegen. Und wieder beantwortete der Beamte mein Anliegen mit den Worten: „Das können sie beim Sachbearbeiter machen.“ Dann fügte er hinzu: „Nur ist es noch nicht klar, wer heute der Sachbearbeiter überhaupt sein wird.“ Nach über drei Stunden wurden wir wieder frei gelassen. Bei anderen dauerte die Freiheitsberaubung über fünf Stunden. Man sagte uns, dass uns der Grund, warum wir festgenommen wurden noch per Post geschickt würde.

Das erzählte ich am Mittwoch auf einer Podiumsveranstaltung der Plattform 21, bei der ich gemeinsam mit Jens Loewe, Hannes Rockenbauch und Thomas Renkenberger zum Thema „Mehr direkte Demokratie wagen“ diskutierte. Uli Scheuffele hat aufgrund meines Berichts einen offenen Brief an IM Gall geschrieben, den ich auch hier gerne veröffentliche: weiterlesen


Jail Mail – Part 2

About Jail Mail: As the first opponent against Stuttgart 21 (speculative real estate and railway project) Mark Pollmann served a 10 days prison sentence. He was sentenced to a 10 days rate due to occupation of the northwing for protesting against the partial demolition of the Bonatzbau which is protected as an historical monument. Because he didn’t want to ransom with money or working hour he has to go to jail. „Jail Mail“ on Blog NAU! is his jail diary that he sent to us from prison. Mark Pollmann was in prison from May 25th until June 3rd . This is the first part of Marks ten journal enties.

26/5/2012 – Saturday

Postscript on Friday: I forgot to mention that I had a siesta Friday afternoon and fell asleap. When the cell door was opened for bringing in supper at about 5 p.m. I didn’t wake up immediately – I woke up with two officials beside my bed calling my name nervously – I was surprised about the urgency and the excitement, I sat up and put on my glasses.

Then they said, they enter the cell several times the day to check that all inmates are still alive respectively that they are okay. I said I was sleeping and therefore I didn’t response at once. They showed the red emergency button to me if someone feels bad. So at least every room in the new building features this as well as light switches for cell and restroom.

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Jail Mail – Part 1

About Jail Mail: As the first opponent against Stuttgart 21 (speculative real estate and railway project) Mark Pollmann served a 10 days prison sentence. He was sentenced to a 10 days rate due to occupation of the northwing for protesting against the partial demolition of the Bonatzbau which is protected as an historical monument. Because he didn’t want to ransom with money or working hour he has to go to jail. „Jail Mail“ on Blog NAU! is his jail diary that he sent to us from prison. Mark Pollmann was in prison from May 25th until June 3rd . This is the first part of Marks ten journal enties.

25/5/2012 – Friday – Beginning of my time in the clink

Having had a good night I set off about 7:40 am to the north exit near the former northwing [of the main station] where already some people were waiting who wanted to say goodbye to me. I was very happy about the attenders and I got several books as a present. I also answered the first interview requests. About 9 am we drove to Rottenburg. The Stuttgart newspaper’s reporter Mrs. Mayer interviewed me during the trip to Rottenburg.

At 10 there were also comrades of our common cause at Rottenburg at the market place beside journalists and camera teams. It strengthens me that so many people commiserate and approve my decision to serve my prison sentence. I was also available for interviews and pictures – it was all very public, there was hardly time for private moments and chats. weiterlesen


Blockupy Frankfurt – two days in the Forbidden City

It almost seemed as if the City of Frankfurt, Hessian Police and, after all, any court up to the Federal Constitutional Court (in German: Bundesverfassungsgericht, BverfG) went paranoid and hysterical all together and at once. What seems quite obviously as escalating scare tactics for justifying the prohibition of the Blockupy days of action against the crisis regime of the European Union, is in its absurdity hard to top. Yet, those massive constrictions of constitutional right had to be explained towards the public somehow. Creative expression of opinions far from predictable well-ordered marches can be oh so threatening. Far more awkward state paranoia is merely possible. Shame on you, Frankfurt!

Frankfurt blocks itself

And so Frankfurt got into this self-decreed state of emergency for several days: Complete closure of the financial district. Several tram lines running with restricted service, several subway stations closed. Furthermore, Frankfurt citizens are instructed not to leave any waste containers or bulky waste in free accessible areas at their doorsteps from Thursday till Monday. The Frankfurt University closes two of its campuses: Campus Bockenheim and Campus Westend. Bankers are advised by policy only to wear casual clothes. Many of them are working at home office, some are even said to have taken refuge in Mannheim (which is about 90 km / 56 miles from Frankfurt).

Parents are suggested to better keep their children at home and not to take them to kindergarten if it is located in the city centre. More than half of the many ritzy stores are barricaded with chipboard. Finding a simple still accessible ATM might take you ages. Explanatory statements varying between “We cannot completely exclude violent riots during the next days”, “there is a big event in the city centre” and “there is a construction site”, even if there actually isn’t any. weiterlesen


Blockupy Frankfurt


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