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Wiederbesetzung geglückt! 3-facher Erfolg im Hambacher Forst

Heute sind gleich an drei verschiedenen Stellen Waldbesetzungen im Hambacher Forst erfolgreich eingerichtet worden. Schon vor der Demo von Buir nach Morschenich heute Nachmittag begannen Aktivisten, den Hambacher Forst wieder zu besetzen. Während der Demo gelang es offenbar zusätzlich, die Kohlebahn kurzzeitig zu blockieren. Im Anschluss an die Demo wurden die Besetzungen dann weiter ausgebaut. Die RWE-Sicherheitskräfte sind mit der Situation überfordert und lassen die Aktivisten gewähren, die Polizei hat sich momentan zurückgezogen. Für die Aktivisten ist die Wiederbesetzung ein großer Erfolg: „Mit so vielen entschlossenen Waldbesetzern haben sie hier einfach nicht gerecht!“ heißt es. Dass die Polizei sonst zahlenmäßig auf mehr eingestellt ist, zeigt ein Video vom 23. April 2014. Hier wird die Zerstörung zweier Komposttoiletten der Besetzung vom Hambacher Forst von einem polizeilichen Großaufgebot durchgesetzt.

Weitere Infos im Ticker der Wiederbesetzung: TICKER – Wiederbesetzung HF – 26.04.2014

Eine Pressemitteilung wird voraussichtlich gegen später auf der Kampagnen-Seite Seite www.ausgeco2hlt.de veröffentlicht.

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Besuch im Hambacher Forst

20130214-DSC_7446Die Strecke zum Hambacher Forst ist nicht sehr weit. Es sind knapp 380 km, also noch ein kleines bisschen weiter als bis nach Köln, der nächsten Großstadt. Ich bin sehr froh, dass ich diese Strecke hinter mich gebracht habe, um zu schauen, was dort los ist. Bisher habe ich nur sehr sehr wenig vom Rheinischen Braunkohlerevier gehört oder gelesen. Klar, als im letzten Herbst die Waldbesetzer im Hambacher Forst geräumt wurden, habe ich natürlich ein bisschen genauer hingehorcht, aber mehr, als dass dort gegen die Rodung im Rahmen des Braunkohleabbaus protestiert wird habe ich auch nicht wirklich erfahren. Also bin ich zusammen mit Julia, die als Referentin zu einer Veranstaltung der dortigen AktivistInnen über Repression eingeladen war, und Thomas hochgefahren.

20130213-DSC_7328Wir machten Halt in dem kleinen Dörfchen Morschenich, knapp 500 Einwohner. Morschenich wird wie viele andere Dörfer und Siedlungen dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen. Die Umsiedlungpläne sind schon ausgearbeitet und „einvernehmlich“ mit RWE und den Bewohnern beschlossen. In den nächsten 10 Jahren wird, natürlich von RWE finanziert, in ein paar Kilometer weiter Neu-Morschnenich gebaut und die Einwohner haben genug Zeit umzuziehen. Dann wird das Dorf „geschliffen“. Es war schon ein seltsames Gefühl durch die leeren Straßen des Dorfes zu Laufen. Leer weil es einfach ein kleines Dorf ist, in dem nicht viel los ist, aber mit dem Wissen, 20130213-DSC_7344dass in ca 10 Jahren hier ein braunes Loch sein soll, war diese Leere schwer und drückend. Auch habe ich Wut gespürt. Nicht weil das Dorf außerordentlich schön ist, es ist ein einfaches nettes, kleines, lauschiges Dörfchen. Und eben deshalb die Wut. Es wurde von Menschen gebaut, wird gepflegt, belebt und mit sicherheit auch als Heimat geliebt. Und dann kommt RWE, und will an die Kohle. Das Dorf stört. Das Dorf muss weg.

Respektlosigkeit allerhöchster Klasse!

Respektlosigkeit gegenüber der Natur! Es wurden und werden tausende von Bäumen gefällt, der Lebensraum von noch mehr Tieren wird zerstört!

Respektlosigkeit gegenüber der Menschen auf dem Land, die in Dörfern wohnen ,die zum Teil mehrere hundert Jahre alt sind, und die rumgeschubst werden und den Baggern weichen sollen!

Zudem werden noch Autobahnen und Bahnlinien verlegt. Es ist sogar vorgekommen, dass ein Dorf zweimal umgesiedelt worden ist, weil unter der ersten Neusiedlung auch Braunkohle war!

Nich zu vergessen, was die Folge des Verbrennens der ganzen abgbauten Kohle für das Weltklima hat!

Und das alles, weil es sich lohnt Braunkohle abzubauen? Da werden wir doch gründlich verarscht!

20130214-DSC_7425Als wir dann am Donnerstag morgen zum Abbruchkante des Tagebaus gegangen sind war ich schließlich komplett sprachlos. Meine Vorstellungen des Ausmaßes der Zerstörung kam nicht einmal ansatzweiße an die Realität ran. Wetterbedingt war bis zum Horizont nichts anderes zu sehen als ein riesenhaftes tiefes braunes Loch. Ein wenig mehr als ein Duzend der größten Bagger, die es überhaupt gibt, tümmeln sich in der Grube. Trotz ihrer unglaublichen Maße, bis zu zweihundert Meter lang und fast einhundert Meter hoch, 20130214-DSC_7427sehen sie aus wie Spielzeug in einem Sandkasten. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was für Dimensionen der Tagebau dort hat.

Und das ist nur eins von drei Braunkohlerevieren in dieser Gegend!

Zu guter letzt statteten wir noch dem neuen Protest-Camp einen Besuch ab, dass 3 Tage nach der Räumung des Camps im Hambacher Forst auf einer am Wald gelegenen Wiese unweit von Morschenich aufgebaut wurde. Dort formieren sich mutige und entschlossene Menschen neu, um dem Riesen RWE Paroli zu bieten und um gegen die Unglaublichkeit zu kämpfen die hier stattfindet.

20130214-DSC_7439Schaut auf http://hambacherforst.blogsport.de/ für mehr Informationen zum Thema und fahrt dorthin, um unsere FreundInnen und MitstreiterInnen vor Ort zu unterstützen!


„Ihr könnt uns nicht so einfach wegschlichten + wegbürgerbeteiligen!“ – meine Rede bei der Mahnwache im Schlossgarten am 14.02.13

Vor etwa einer Stunde bin ich von einem Solidaritätsbesuch bei den WaldbesetzerInnen vom Hambacher Forst zurück gekommen. Und so ein Treffen mit anderen Widerstandsgruppen gibt einem auch gleichzeitig eine neue Perspektive zum eigenen Widerstand. Gestern war das „Drei-Monatige“ der Räumung im Hambacher Forst. Bei uns hier ist die Räumung jetzt ein Jahr her – wohlgemerkt die zweite Parkräumung.

20130214-DSC_7541Dort, beim Hambacher Forst, ging es nach vier Tagen Pause gleich weiter mit dem nächsten Camp. Und jetzt am Wochenende ist das erste Vernetzungstreffen mit den Bürger-Inis vor Ort. Erwartet werden 50 Menschen, was dort schon ein Erfolg wäre. 60 Menschen auf einer Demo gegen den Hambacher Tagebau sind schon viele, oft kommen nur 20, wurde mir dort berichtet. Obwohl es die Besetzung beim Hambacher Forst schon seit knapp einem Jahr gibt, ist die Widerstandsbewegung dort erst in ihren Anfängen.

Die Bewegung gegen S21 hat schon sehr früh ihre Leichtigkeit verloren, fort gespült mit Wasserwerfern, weggeknüppelt und dann weggeschlichtet. Aber wir sind trotzdem noch hier.

Der erste grüne Ministerpräsident hat unserem Widerstand scheinbar statt Wasserwerfern nur so etwas wie Hausdurchsuchungen nach dem 20.06.11 beschert – und Lippenbekenntnisse.

Letztes Jahr, nicht mal eine Woche vor der Parkräumung und der anschließenden Rodung hat MP Kretschammn zehn Parkschützer und zehn AnStifter zu einem exklusiven Gespräch geladen. Ich war auch dabei. Ein paar von uns hatten sich Hoffnungen gemacht, noch etwas stoppen zu können. Doch MP Kretschmann interessierte sich nicht für ihre Argumente. Seine Botschaft an uns war: Wenn wir weiterhin die Volksabstimmung nicht akzeptieren, würden wir uns in eine Richtung bewegen, die ihm große Sorgen bereite. Wir wären dann nämlich nicht mehr demokratisch.

Und was macht MP Kretschmann jetzt? Er sagt, er möchte keine Ausstiegsdebatte eröffnen. Dabei sind wir doch da schon mitten drin.

Dadurch, liebe aufmüpfige WiderständlerInnen, dass wir immer noch hier sind, dass wir uns weder durch Wasserwerfer und Hausdurchsuchungen noch durch Aufenthaltsverbote und andere Repressalien einschüchtern lassen, dadurch kann Stuttgart 21, ja können allgemein unnütze Großprojekte nicht mehr einfach so durchgezogen werden.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir weiterhin Präsenz zeigen und unsere Aktionen durchziehen. Denn so zeigen wir: Ihr könnt uns nicht einfach wegschlichten oder wegbürgerbeteiligen. Unser Widerstand geht weiter bis S21 gestoppt ist. Und egal was dann behauptet wird: Das Aus von Stuttgart 21 wird kein Verdienst von irgendwelchen Politikern sein. Oben bleiben!

P.S.: Danke an die Versorger + die Blockadegruppe und Ben für die Moderation! Und hier die Rede von Zwuckelmann.


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