Archiv der Kategorie: Hafttagebuch von Mark Pollmann

Post aus dem Knast – Teil 10

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Aus der Haft hat uns Mark Pollmann sechs Hafttagebucheinträge zugeschickt mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir abgetippt haben. Seit Sonntag ist Mark entlassen und hat begonnen, seine restlichen Hafttagebucheinträge selbst abzutippen, damit wir sie veröffentlichen können. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern. Teil 10 ist Mark Pollmanns letzter Hafttagebucheintrag.

Sonntag, 3. Juni 2012 – Tag 10 – Ende der Ersatzfreiheitstrafe

Ich schreibe dies und bin längst draußen. Es ist sozusagen aus der Perspektive von draußen die Innenperspektive aus der Erinnerung einnehmend. Das ist ein Unterschied.

Ich erwache, als es hell wird, draußen zeigt sich im östlichen Winkel des Fensters auf Höhe des „Schwäbische Alb-Ausschnitts“ mit Rammert-Höhenzug im Vordergrund die Helle der aufsteigenden aufgehenden Sonne – kontrastiert mit den aus Südwesten vorrückenden dunklen Wolken, die später hoffentlich den von mir ersehnten Regen bringen würden. Ich mag keine längeren Trockenperioden und möchte niemals in einem trockenen Land leben, wo alles ausgedorrt und braun ist. Keine Saat geht auf, wo das Wasser fehlt. weiterlesen

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Post aus dem Knast – Teil 9

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Aus der Haft hat uns Mark Pollmann sechs Hafttagebucheinträge zugeschickt mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir abgetippt haben. Seit Sonntag ist Mark entlassen und hat begonnen, seine restlichen Hafttagebucheinträge selbst abzutippen, damit wir sie veröffentlichen können. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

Samstag, den 02.06.2012 – Tag 9

Es ist inzwischen Abend geworden an diesem vorletzten, doch eigentlich letzten Tag meiner Ersatzfreiheitsstrafe im Knast. Ich werde morgen schon um viertel vor acht morgens zur Entlassung aus der Haft abgeholt. Einer Haft, die ich eigenverantwortlich und ganz für mich als Option bereits vor eineinhalb Jahren gewählt habe, weil ich die mir zugewiesene Rolle von der Staatsanwaltschaft ablehne, mich für meinen Protest gegen den staatlich legitimierten Vandalismus in Stuttgart zum gefährlichen steuerfinanzierten Rückbau der Schiene durch Geldzahlung frei zu kaufen.

Ich sage Staatsanwaltschaft, weil nach meiner Wahrnehmung dem damaligen Richter Fritz (er ist wenige Wochen danach in vorzeitigen Ruhestand gegangen) an diesem 17. Februar 2011 beim Prozess vermutlich lieber gewesen wäre, eine Einstellung des Verfahrens zu bewirken. Mehrmals fragte er den Vertreter der DB AG, ob dieser die Anzeige nicht zurückziehen wolle, was abgelehnt wurde. Nach meinem Eindruck wählte er ein kleines Urteil, was ich letztes Jahr als „salomonisch“ bezeichnete, weil ein Freispruch sicherlich die Revision beantragt durch OStA Häußler zur Folge gehabt hätte. Unmittelbar nach Urteilsverkündung gab Häußler in Interviews bekannt, ihm sei die Höhe des Urteils zweitrangig, wichtig sei ihm, dass ein Urteil im Sinne von schuldig nach 123 StGB Hausfriedensbruch gefallen sei. Das spiegelt nach meiner Einschätzung die politische Dimension in der Justitia wieder. Wenn man sich die Historie von OStA Häussler in diesem schmutzigen „Vabanque“-Spiel anschaut – von Verschleppung von Prozessen gegen NS-Mörder in Italien bis hin zu seiner aktiven Teilnahme am Schwarzen Donnerstag vom Vormittag an im Park, während Polizeipräsident Stumpf gleichzeitig als eigentlich Verantwortlicher für den Einsatz nicht einmal per Handy erreichbar war – na ja. Brückenkopf halt, damit es geschmeidig läuft. Justizminimister Stickelberger hält an ihm fest. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 8

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Aus der Haft hat uns Mark Pollmann sechs Hafttagebucheinträge zugeschickt mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir abgetippt haben. Seit Sonntag ist Mark entlassen und hat begonnen, seine restlichen Hafttagebucheinträge selbst abzutippen. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

Freitag, 01. Juni 2012, Tag 8

Heute Morgen hatte ich eine Stunde anwaltlichen Besuch. Es ist der einzige Besuch, der in dieser kurzen Zeit machbar war. Vor Haftantritt empfahl man mir, einen Anwalt zu mandatieren, der außerhalb der geltenden streng limitierten Besuchszeiten für Häftlinge Besuche abstatten kann. Von einem Häftling erfuhr ich, er hätte drei Stunden Anrecht auf Besuch monatlich, streckbar auf dreimal einstündige Besuche im Monat. Vermutlich gibt es auch hier je nach Strafmaß unterschiedliche Regelungen, wie auch beim Vollzug, doch wissen tue ich es nicht.

So bekam ich auch Informationen „von draußen“ – zwar haben wir hier Fernsehen, jedoch keine Tageszeitungen. Die Stacheldrahtmauer trennt im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten und der Austausch ist sehr gering. Jeder Häftling hat Anrecht auf Tätigung eines Anrufs ab Haftantritt. Die Beantragung von weiteren Telefonaten über ein Telefonkonto ist ein bürokratischer Akt, der die Zeitdauer meines Aufenthaltes vermutlich überstiegen hätte – ich habe es von daher erst gar nicht in Angriff genommen. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 7

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Aus der Haft hat uns Mark Pollmann sechs Hafttagebucheinträge zugeschickt mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir abgetippt haben. Seit Sonntag ist Mark entlassen und hat begonnen, seine Hafttagebucheinträge selbst abzutippen. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

Nachtrag noch zu gestern, Donnerstag  31.05.2012 – Tag 7
Beim Hofgang mit Tischtennisspielen (der Innenhof ist ca. 15 x 10 m, also recht klein) habe ich mit einem Mithäftling gesprochen, der seit zwei Tagen da ist und nun für einen offeneren Vollzug auf einen Bauernhof auf der schwäbischen Alb verlegt wird. Es gibt auf dem Gelände der JVA Rottenburg ganz unterschiedliche Arten des Vollzuges: in manchen Häusern (ich glaube 3 und 4) sind die Zellentüren tagsüber offen und die Häftlinge können sich frei bewegen in Teilbereichen des  Hauses, in anderen (ich glaube es sind Haus 1 und 2) wiederum nicht.
Auch bei uns im Haus 8 haben offensichtlich Gruppen von Häftlingen einen offeneren Vollzug – zumindest glaube ich das an den Geräuschen zu hören, insbesondere spätnachmittags und am frühen Abend. Zum Hofgang und zum Duschen werden immer Grüppchenweise mehrere Zellentüren geöffnet – dadurch sind wir beim Hofgang meist zwischen 3 und 7 Personen. Zum Duschen weniger, so dass ich die Dusche bisher immer für mich alleine hatte.
Ein anderer Mithäftling, der längere Zeit in Stammheim saß, berichtete uns von teilweise katastrophalen Verhältnissen dort, insbesondere wenn Häftlinge in den Zellen auf Drogenentzug kommen und randalieren oder aus welchen Gründen auch immer gewalttätig sind und dann Mithäftlinge in der Zelle und auch Justizbeamte bedrohen und  verletzen, wenn sie austicken. Deshalb müsse häufig die Polizei gerufen werden, die einrückt – denn Justizvollzugsbeamte sind unbewaffnet, zumindest habe ich hier drin noch nie eine Waffe gesehen – sehr angenehm nach knapp zwei Jahren Erfahrungen in unserer Stuttgarter Innenstadt, wo ich mir beim Beobachten und Erleben der unzähligen Polizeitruppenaufmärsche häufig  vorgekommen bin, wie ich es mir teilweise in Santiago de Chile unter Pinochet vorstellte – nur eben nicht das Militär, sondern Polizeitruppen in unterschiedlicher Montur. Vielleicht wurde deshalb die schöne Aussichtsplattform auf dem Haigst unweit der Zahnradbahnhaltestelle jüngst in „Santiago de Chile – Platz“ umgetauft, um dieser Assoziation auch namentlich Rechnung zu tragen. weiterlesen

Post aus dem Knast – Teil 6

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Mittlerweile haben wir sechs Hafttagebucheinträge erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

Donnerstag, 31/5/2012

Gestern wurde mein Zimmernachbar entlassen. Ich sage Zimmer statt Zelle, weil wir es in den letzten Tagen geschafft haben, aus dieser Zelle ein Zimmer zu machen – Böden, WC und das vergitterte Fenster geputzt, Staub gewischt. Dazu haben wir Handtücher und Duschgel zur Verfügung – Handtücher ausreichend, um je eines zu „Putzzwecken“ Zweck zu entfremden. Seit Freitag konnte ich bisher zweimal duschen – doch im Zimmer gibt es ein Waschbecken mit fließend kaltem Wasser, so dass ich morgens immer eine „Waschbecken“-Dusche nehme – meinen Kopf kann ich so gerade eben zwischen Wasserhahn und Waschbecken quetschen, um mir die Haare zu waschen, dazu haben wir so eine Art Waschlappen zur „Ganzkörperwäsche“.

Ich bin froh, dass mein Zimmernachbar ebenfalls großen Wert auf gute hygienische Zustände legt, ansonsten hätte es mir den Aufenthalt hier deutlich unangenehmer gemacht. Es war gleich am ersten Tag seine Idee, dass wir jeden Tag den Boden nass wischen, um hier barfuß laufen zu können. Die Beamten kommen in der Regel nicht in die Zelle rein – mit einer Ausnahme vom ersten Tag, als ich nachmittags eingeschlafen war und ich nach Angaben meines Mitinsaßen auf Zuruf nicht sofort reagierte. Überhaupt fällt mir hier auf, dass sich Beamte und Wärter oft verhalten, wie ich es beim Füttern der Fische im Aquarium oder beim Beobachten der Fütterung von Tieren in der Wilhelma immer wieder erlebe: Das Klicken der Türschlösser oder der Zuruf wirkt wie ein konditionierter Schlüsselreiz – die meisten Häftlinge reagieren sofort darauf. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 5

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Mittlerweile haben wir sechs Hafttagebucheinträge erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Donnerstag 31. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

Mittwoch 30/05/2012 Hafttagebuch Tag 6

Gestern morgen rief ich Markus noch daheim an – es hat mich gefreut, mit ihm zu sprechen und er plant, mich hier besuchen zu kommen. Erst gestern morgen wurde ich auf Nachfrage darüber informiert, dass er alle möglichen Anträge gibt, wegen Eigengeld, Telefon, Anfrage auf Besuch, sonstige Anfragen u.a. Seelsorge usw. Dabei wurden mir die Anträge ausgehändigt – die meisten sind für mich wertlos, da die Bearbeitung so lange dauert, dass ich da schon wieder draußen bin. Eigentlich hätten mir diese Anträge bereits bei meinem Haftantritt ausgehändigt werden sollen – es wurde vergessen, wie der Beamte verdutzt feststellte, als ich ihm mitteilte, dass ich keinen Tabak mehr habe und entweder meinen eigenen Reservetabak haben will, der mir nicht ausgehändigt wurde, oder aber von meinem mitgebrachten Geld Tabak besorgt und mir ausgehändigt wird. Nun habe ich heute die Anträge gestellt – schauen wir mal. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 4

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Mittlerweile haben wir fünf Hafttagebucheinträge erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Mittwoch 30. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern. Folgender Eintrag wurde von Markus abgetippt – ich habe ihn nur online gestellt.

29/05/2012 – Dienstag

Mir geht es hier soweit gut, ich bin zwar eingesperrt, aber dafür kann ich viel lesen, schlafen und schreiben. Zudem habe ich einen netten Zimmerinsassen; wir unterhalten uns viel. Eben (um 6 Uhr) kamen die Wärter zum Frühstück bringen rein und sagten ihm, er würde um 8 Uhr in ein anderes Haus verlegt – obwohl er bereits morgen entlassen wird. Eine Viertelstunde später kamen sie rein und einer meinte, da er ja morgen schon entlassen werde, wäre es Blödsinn, wegen einem Tag noch umzuziehen, so dass er doch noch bis morgen mit mir hier in der Zelle ist – find ich klasse. Am Freitag bin ich darüber informiert worden, dass ich kommende Woche, also ab jetzt, voraussichtlich in eines der anderen Häuser umziehen werde, die wie mir die Beamten sagten, „nicht so luxuriös seien wie der Neubau hier“. Wahrscheinlich dachten sie, diese Ankündigung würde mich dazu veranlassen, doch das Schreiben zu unterschreiben, dass ich nach 5 Tagen entlassen werde, was ich ja nicht tat. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 3

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel “Post aus dem Knast” veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Bisher haben wir drei Briefe erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Sonntag 27. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

27/5/2012 – Sonntag

Ich schreibe ja meine Tage jeweils am nächsten Morgen, bevor gegen 6:30 Uhr das Frühstück gebracht wird. Der gestrige Morgen war bewölkt (also keinen Sonnenaufgang über der schwäbischen Alb sichtbar wie zuvor, den ich von meinem Hochbett in einem Winkel beobachten kann). Ich stand später auf, erst vor 7 Uhr, da wir am Vorabend ja bis spät die Inszenierung aus Baku angeschaut haben. Mein Zimmernachbar schläft eh lange, oft bis 9 Uhr, so dass ich morgens immer ganz in Ruhe alles das machen kann, was ich mag. Der Morgen ist für mich eine wertvolle, wichtige Zeit, bei dem ich mich in meinen Rythmus auf den jeweiligen Tag einstimme, und so auch gestern.

An Wochenenden und Feiertagen ist der Ablauf hier wie ich denke eingeschränkter wegen geringerem Personalaufwand. Mir geht es soweit ganz gut, mein Zimmernachbar und ich unterhalten uns zwischendurch immer wieder viel. Im Zimmer laufen wir beide Barfuß, deshalb putzen wir vormittags immer den Boden mit Wasser und Duschgel kurz durch, damit es sauber bleibt. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 2

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel “Post aus dem Knast” veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Bisher haben wir drei Briefe erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Sonntag 27. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

26/5/2012 – Samstag

Nachtrag vom Freitag: Hatte noch vergessen zu erwähnen, dass ich Freitag Nachmittag eine Siesta gemacht hatte und eingeschalfen war. Als gegen 17 Uhr die Zellentür geöffnet wurde, um das Abendessen zu bringen, war ich nicht gleich wach geworden – ich erwachte mit einem oder zwei Beamten an meinem Bett,die aufgeregt meinen Namen riefen – ich war überrascht über die Dringlichkeit und Aufregung, setzte mich auf und zog meine Brille an. Darauf sagten sie, dass sie mehrma

ls am Tag hereinkommen, um zu sehen, dass alle Insassen noch leben bzw. dass es ihnen gut geht. Ich sagte ich hätte geschlafen und habe deshalb nicht sofort reagiert. Sie zeigten uns den roten Rufknopf im Zimmer, falls es jemandem nicht gut gehe. Also ist zumindest im Neubautrackt jedes Zimmer damit ausgestattet, ebenso wie mit Lichtschalter für Zelle und WC.

Samstag: Gegen 7 Uhr wurden wir zum Frühstück geweckt – d.h. Ich war schon einige Zeit seit 5:30 Uhr wach und hatte den Tag zuvor bereits als Knasttagebuch aufgeschrieben. Mir geht es gut, ich habe gut geschlafen, die Morgensonne scheint an Fenster – der Blick von diesem Fenster führt an einen Straßen- / Betonvorplatz mit angrenzenden Gebäuden. Nicht wirklich schön, doch wenn ich vom Etagenbett (ich bin oben) schräg durch das Fenster schaue, erblicke ich auch von hier aus Ausläufer der Schwäbischen Alb. weiterlesen


Post aus dem Knast – Teil 1

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Bisher haben wir drei Briefe erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Sonntag 27. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

25/5/2012 – Freitag – Beginn Knastaufenthalt

Nach einer Nacht mit gutem Schlaf, machte ich mich gegen 7:40h auf den Weg zum Nordausgang am ehemaligen Nordflügel, wo bereits einige, die mich verabschieden wollten, anwesend waren. Ich habe mich über die Anwesenden sehr gefreut und bekam einige Bücher geschenkt. Auch erste Interview-Anfragen beantwortete ich. Gegen 9 Uhr fuhren wir nach Rottenburg. Die im Auto anwesende StZ-Journalistin Frau Mayer interviewte mich während der Fahrt nach Rottenburg.

Auch in Rottenburg waren um 10h auf dem Marktplatz Mitstreiter unserer gemeinsamen Sache zugegen neben Journalisten und Kamerateams. Es hat mich unterstützt, dass so viele Menschen Anteil nehmen und die Wahl meiner Entscheidung zum Ableisten der Freiheitsstrafe gutheißen. Auch stand ich für Interviews und Bilder zur Verfügung – es war alles sehr öffentlich, für private Gespräche und Momente blieb kaum Zeit. weiterlesen


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