Archiv des Autors: Julia

Über Julia

Polyphasisch schlafende Soziologin aus Stuttgart

Neues von „untergetauchten“ AfD-Sympathisanten, Rechten und Verschwörungstheoretikern

Zuletzt war es ruhig geworden um Jens Loewe nachdem er als Unterstützer der AfD geoutet und seine Nähe zu Strukturen der, mittlerweile aufgelösten, rechten Psycho-Polit-Sekte VPM veröffentlicht wurden [siehe „Schweigespirale“, Lippenbekenntnisse und die Bewegung gegen S21 und Gastbeitrag: Gedanken nach einer Veranstaltung mit Jens Loewe über die Zusammenarbeit mit der AfD]. Auch seine Homepage http://www.jens-loewe.de ist inaktiv.

Der OB-Kandidat und AfD-Unterstützer wird Investor

Nur im Jahr 2014 stand der ehemalige Stuttgarter OB-Kandidat mit dem Kauf des Gemeindehauses in der Schwarenbergstraße in Stuttgart Ost wieder in der Öffentlichkeit [StN online, 23. Dezember 2014]. Im Artikel der StN wird Loewe als Investor bezeichnet, woher das Geld für den Kauf der Immobilie stammt, bleibt allerdings offen. Das Haus wolle er für Kulturveranstaltungen und politische Diskussionen nutzen. Mit „Ich bin immer da, wo gestritten wird“ und „Ich bleibe politisch“ wird er zitiert. Doch die Veranstaltungen im Gemeindehaus werden nicht wie damals, als sich Loewe noch offen in den Kreisen der S21-Gegner bewegte, groß beworben.

„Asylanten als Invasoren“ und „Vernichtung der Christen und weißen Rasse“ – rechter Verschwörungstheoretiker spricht im Gemeindehaus Schwarenberg

Neben Tanzkursen ist das Gemeindehaus Schwarenberg Treffpunkt für den Runden Tisch Stuttgart [www.rt-stuttgart.org/index.php], einem Vernetzungstreffen, das mit öffentlichen politischen Richtungsstatements zurückhaltend ist. Das ist auch gar nicht notwendig, denn ihr aktuellster Referent hat sich umso klarer positioniert: „geplante Umvolkung der BRD“, die „strategisch manipulierte Migration als Kriegswaffe“, „Asylanten als Invasoren“, „geplanten Vernichtung der Christen und weißen Rasse“. So lauten die Themen von Gerhard E. Föll [StZ online, 08. Januar 2016], der am 9. September für den Runden Tisch Stuttgart [www.rt-stuttgart.org/index.php/kommende-veranstaltungen] in Jens Loewes Gemeindehaus über das Überleben in Krisenzeiten sprechen soll und dabei „brisante Hintergrundinformationen mit Daten und Fakten über neue bundesweit vorbereitete Maßnahmen und die militärisch vorgeplante politische Lage nach der Bundestagswahl mitteilen“ wird [Screenshot Veranstaltungshinweis]. Und so schließt sich der Kreis.

Über Jens Loewe

Der ehemalige Stuttgarter OB-Kandidat Jens Loewe war am 06.01.2014 Hauptredner der Stuttgarter AfD bei ihrem „Alternativen Dreikönigstreffen“ (siehe pdf: Einladung_Dreikoenig_2014). Schon in der Vergangenheit war er durch seine Mitarbeit beim Europäischen Arbeitsgemeinschaft Mut zur Ethik aufgefallen, einem Vernetzungstreffen mit Nähe zur mittlerweile aufgelösten rechten Psycho-Polit-Sekte VPM. In seiner Kurzbiographie bezeichnet er sich als Mitarbeiter und Referent der Mut-zur-Ethik-Konferenz. Auch mit dem Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker Christoph Hörstel (Compact-Autor, Gründer der Partei „Neue Mitte“, die er verließ und die Partei „Deutsche Mitte“ gründete) ist Jens Loewe vernetzt. Die beiden kennen sich von der Mut-zur-Ethik-Konferenz (vgl. Äußerung Loewes in der Anmoderation zur Veranstaltung Medienkrise & S21 mit Hörstel, siehe Youtube-Video von Cams21).

Auf die Straße gegen Rechts! Demo gegen die AfD

„Am 23. September 2017, einen Tag vor der Wahl, werden wir auf Stuttgarts Straßen zeigen, dass wir den gesellschaftlichen Rechtsruck nicht unwidersprochen hinnehmen. Spaltung und rechte Hetze sind keine Lösung für soziale Probleme – im Gegenteil. Nur gemeinsam können wir ein solidarisches Miteinander gestalten und so den plumpen Phrasen von Rechts etwas entgegen setzen.“

Weitere Informationen bei Stuttgart gegen Rechts.

Demo: NEIN ZUR AFD! Auf die Straße gegen Rechts!
Samstag, 23.09.2017 um 13:00h, Stauffenbergplatz (am Karlsplatz)

Advertisements

S21: Scheitern als Chance erkennen. Endlich Genugtuung vor Gericht. Doch was bringt das der Bewegung? + Erwiderung

watschenbaum_x4

Am 19. November 2015, fünf Jahre nach Prozessbeginn, stellte das Stuttgarter Verwaltungsgericht fest, dass der brutale Polizeieinsatz gegen GegnerInnen des Großprojekts Stuttgart 21 am 30. September 2010 rechtswidrig war. Was bringt dieses Urteil der nach wie vor aktiven sozialen Bewegung gegen S21? Für die GWR analysieren die AktivistInnen Julia von Staden und Peter Grottian. (GWR-Red.)

Stuttgart am 30.9.2010: Tausende S21-Gegner_innen versammeln sich im Stuttgarter Schlossgarten, um gegen anstehende Baumfällungen in der kommenden Nacht zu protestieren.

Die Polizei geht in ihrem desolaten Einsatz äußerst brutal gegen die Demonstrant_innen vor: Sie setzen massiv Schlagstöcke, Pfefferspray und vier Wasserwerfer ein. Jugendliche suchen unter Plastikplanen Schutz vor dem harten Strahl der Wasserwerfer. Der aus den Augen blutende Dietrich Wagner stützt sich auf zwei Demonstranten, die ihn aus dem Gefahrenbereich führen. Polizisten prügeln wahllos in die Menge, sprühen Pfefferspray in die Gesichter derjenigen, die einfach nur vor ihnen stehen.

Über 400 Demonstrant_innen werden verletzt, teilweise schwer. Es gibt Augenverletzungen bis zur Blindheit, Rippenbrüche, Platzwunden und Prellungen. Die Bilder von der Polizeigewalt aus dem beschaulichen Stuttgart gehen um die Welt. Obwohl noch in der Nacht fast dreißig teils sehr alte Bäume gefällt werden, geht die Bewegung gegen das unnütze Bahn- und Immobilienprojekt Stuttgart 21 aus dieser schlimmen Auseinandersetzung gestärkt hervor. Ein Aus von S21 scheint greifbar nahe.

Es folgt ein „Faktencheck“, bei dem S21-Befürworter_innen und S21-Gegner_innen unter Moderation von Heiner Geißler (CDU) dem bundesweiten TV-Publikum Vor- und Nachteile von S21 präsentieren. Im Jahr 2011 kommt mit Winfried Kretschmann ein grüner Ministerpräsident an die Regierung.

Seit 2013 ist mit Fritz Kuhn auch ein Grüner als Oberbürgermeister Stuttgarts im Amt. Beides erklärte S21-Gegner – vor den Wahlen. Dass dadurch der Stopp von S21 irgendwie näher gekommen wäre? Fehlanzeige. weiterlesen


[Update: 8.2.16]: Zur aktuellen Situation der eingeschlossenen Schwerverletzten in Cizîr/Nordkurdistan

[Update: 08.02.2016]: Schwere Angriffe türkischer Truppen auf die beiden Gebäude, in denen seit Tagen zahlreiche Verletzte eingeschlossen sind. Türkische Medien berichten zunächst von 60 Toten in Cizîr nach einem Angriff türkischer Einheiten. In einem Keller wurden bis zu 30 völlig ausgebrannte Leichname entdeckt worden seien.

[Update: 06.02.2016]: Ein Sechzehnjähriger wurde gestern von türkischen Einheiten erschossen, nachdem er kurzzeitig das Gebäude verlassen hatte, in dem vor zwei Tagen 37 weitere Menschen eingeschlossen wurden. Somit sind 17 Menschen durch die Belagerung des türkischen Militärs und der türkischen Polizei in Cizîr gestorben. Rettungskräften wird weiterhin ein Zugang zu den teils schwerverletzten Eingeschlossenen verwehrt. Dies begründen die türkischen Einheiten mit den anhaltenden Gefechten. Allerdings sind nach Angaben der Zivilverteidigungseinheiten (YPS) keine ihrer Einheiten in dem Gebiet in Cizîr eingesetzt und es gäbe dort demnach auch seit zwei Wochen keine Kämpfe.

[Update: 05.02.2016]: Seit nun 6 Tagen gibt es keinen Kontakt zu den 24 eingeschlossenen Menschen Cizîr. Nach den letzten Meldungen sind 15 von ihnen verletzt; 7 Menschen sind bereits gestorben, da türkisches Militär und Polizei keine Rettungskräfte zum Gebäude durchlassen. Gestern wurden weitere 37 Menschen, die in einem Gebäude in der selben Nachbarschaft Schutz vor den Angriffen suchten, eingeschlossen. Bombardierungen des türkischen Militärs setzten das Gebäude in Brand. Löschfahrzeugen wurde auch hier die Zufahrt durch türkische Einheiten verwehrt, 9 Menschen starben in den Flammen. Einige der Überlebenden haben schwere Brandwunden erlitten und werden kaum die nächsten Tage überleben, sollten sie keine Versorgung durch Rettungskräfte erhalten. Augenzeugen berichten, dass der Beschuss mit Mörsergranaten anhält und das türkische Militär vor dem Gebäude patrolliert.

Kein Lebenszeichen seit vier Tagen – 19 Schwerverletzte eingeschlossenen in Kellerräumen – Türkischer Innenminister Efkan Ala: „Das Säubern von Gräben und Löchern und die Beseitigung von Minen ist zu 99 Prozent abgeschlossen.“


Seit vier Tagen gibt es kein Lebenszeichen der eingeschlossen Menschen, die sich mutmaßlich noch im Keller eines seit zwölf Tagen vom türkischen Militär belagerten Wohnhauses in Cizîr (Cizre), Provinz Şirnex (Şırnak) in Nordkurdistan (im Südosten der Türkei) befinden. Am 22. Januar wurde das Wohngebäude mit Mörsergranaten durch das türkische Militär angegriffen. Berichten zufolge sollen dabei 28 Menschen im Keller des Gebäudes eingeschlossen worden sein, 19 wurden dabei schwer verletzt. Mindestens sieben Opfer sind an ihren Verletzungen bereits gestorben, da eine medizinische Versorgung durch „türkische Sicherheitskräfte“ verhindert worden sei; Krankenwagen wurden wiederholt aufgehalten. Das Gebäude steht seither regelmäßig unter Raketenbeschuss. Dadurch wurde mittlerweile das zweite und dritte Stockwerk des Gebäudes zum Einsturz gebracht.

Wurden die Eingeschlossen hingerichtet?

Nun sind Bilder von AKP-nahen Twitteraccounts aufgetaucht, die acht augenscheinlich hingerichtete Menschen zeigen und Vermutungen aufkommen lassen, dass die Eingeschlossen hingerichtet wurden. Bereits am Montag, 01.02.2016, waren in den Straßen von Cizîr sechs Leichname entdeckt worden, deren Autopsie noch nicht abgeschlossen sei. Berichten zufolge seien zwei der Leichname komplett verbrannt gewesen.

UN mahnen: fundamentale Rechte von Zivilisten wahren

Der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein hatte am Montag, 01.02.2016, die Türkei aufgefordert, fundamentale Rechte von Zivilisten in Cizîr zu beachten. Anlass war ein Video, das unbewaffnete Zivilisten zeige, die beim Transport von Toten über eine Straße beschossen würden. Gefilmt wurde das Video von Refik Tekin, der selbst verletzt worden sei. Ihm drohe laut Medienberichten eine Haftstrafe. weiterlesen


Wiederbesetzung geglückt! 3-facher Erfolg im Hambacher Forst

Heute sind gleich an drei verschiedenen Stellen Waldbesetzungen im Hambacher Forst erfolgreich eingerichtet worden. Schon vor der Demo von Buir nach Morschenich heute Nachmittag begannen Aktivisten, den Hambacher Forst wieder zu besetzen. Während der Demo gelang es offenbar zusätzlich, die Kohlebahn kurzzeitig zu blockieren. Im Anschluss an die Demo wurden die Besetzungen dann weiter ausgebaut. Die RWE-Sicherheitskräfte sind mit der Situation überfordert und lassen die Aktivisten gewähren, die Polizei hat sich momentan zurückgezogen. Für die Aktivisten ist die Wiederbesetzung ein großer Erfolg: „Mit so vielen entschlossenen Waldbesetzern haben sie hier einfach nicht gerecht!“ heißt es. Dass die Polizei sonst zahlenmäßig auf mehr eingestellt ist, zeigt ein Video vom 23. April 2014. Hier wird die Zerstörung zweier Komposttoiletten der Besetzung vom Hambacher Forst von einem polizeilichen Großaufgebot durchgesetzt.

Weitere Infos im Ticker der Wiederbesetzung: TICKER – Wiederbesetzung HF – 26.04.2014

Eine Pressemitteilung wird voraussichtlich gegen später auf der Kampagnen-Seite Seite www.ausgeco2hlt.de veröffentlicht.


„Schweigespirale“, Lippenbekenntnisse und die Bewegung gegen S21

Bekenntnisse haben meistens etwas Angestaubtes oder Religiöses an sich. Sich nicht zu positionieren und sich somit alle Türen offen zu halten, scheint gerade in Mode zu sein. Die Frau mit dem Spitznamen Teflon macht’s ja vor. Dabei gibt es ein Bekenntnis, dass in seiner gesellschaftlichen Bedeutung Grundlage eines jeden politischen Handelns sein muss: Das Bekenntnis zum Antifaschismus und gegen Nationalsozialismus und rechtes Gedankengut. Wer sich hier nicht aktiv positioniert, begünstigt eine „Schweigespirale“, die am Ende zur Normalisierung des Rechtsextremismus führt (Interview über diesen Prozess mit dem Soziologe Prof. Dr. Kurt Möller. Danke an S. für den Link!).

Es reicht dabei nicht, es bei einem bloßen Lippenbekenntnis zu belassen. Denn nach dem „ich bin ja gegen rechts,“ folgt am Stammtisch gerne mal: „…aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass…“ und dann folgt zum Beispiel, dass „wir Deutschen nicht auch noch für die Misswirtschaft der Griechen aufkommen sollten“. Bleibt so eine Äußerung unwidersprochen, ist die nächste schnell noch eindeutiger. Gegen den Rechtsextremismus der Mitte hilft nur, sich selbst eine antifaschistische Grundhaltung zu eigen zu machen und sich gegen jegliche rassistische und rechtsextreme Äußerungen aktiv zu positionieren. Und wer jetzt meint, man müsse dann ja links sein, ist genau auf den Relativismus und die Verharmlosung durch die Extremismusdebatte reingefallen.

Das scheinen viele – auch in der Bewegung gegen Stuttgart 21 – gerade in Bezug auf die AfD nicht begriffen zu haben. Wie es bei den Neuen Rechten und den Identitären Usus ist, grenzt sich AfD-Parteichef Bernd Lucke zwar verbal von rechts ab, gleichzeitig sitzen aber beispielsweise frühere Mitglieder der islamfeindlichen Partei Die Freiheit im AfD-Landesvorstand sowohl in Mecklenburg-Vorpommern als auch in Brandenburg. In Interviews lässt Lucke gerne mal rassistische Äußerungen fallen, zum Beispiel, dass „die Griechen nicht zu kleinen Deutschen werden“ können, da es nicht ihrer Mentalität entspreche (was von seinen beiden Interviewpartnern in diesem Fall einfach hingenommen wird und seine Äußerung somit als normal/akzeptabel stehen bleibt). [Mehr zur AfD bei den Links weiter unten.] Dass nun am 06.01.2014 der Stuttgarter OB-Kandidat und prominente S21-Gegner Jens Loewe* als Hauptredner bei der AfD (siehe pdf: Einladung_Dreikoenig_2014) auftrat, ist jedoch im Grunde nicht verwunderlich.

Schon zu Beginn der größeren Protestphase gegen S21 im Jahr 2010 wurden auf den Montagsdemos immer wieder NPD-Funktionäre gesichtet, hier und da waren rechts-esoterische Verschwörungstheorien zu hören oder „Reichsbürger“ zu treffen, die der Überzeugung waren, das Deutsche Reich würde noch existieren und das Grundgesetz sei ungültig [7.1.: s. dazu Anmerkung von Chris unten bei den Kommentaren]. Der Vorschlag, dieser Öffnung nach rechts mittels eines Aktionskonsenses auf antifaschistischer Grundlage und einer klaren Positionierung gegen rechts entgegen zu wirken, wurde damals abgeschmettert: „Unser Bewegung ist doch nicht politisch,“ hieß es. Und: „Linksextrem ist doch gleich Rechtsextrem – dann müssten wir uns ja auch von den Linken distanzieren.“

Dabei führt diese Argumentationslinie schnell zu der Auffassung, rechtes Gedankengut wäre „auch nur eine Meinung“. Dabei wurden doch die Gräueltaten der Nationalsozialisten und ihre Verbrechen gerade durch so eine Haltung erst ermöglicht. Bloß nicht positionieren – und am Ende hat man nichts gesehen, nichts gewusst. Und der schleichende(?) Prozess nahm seinen Lauf.

Wir sollten eigentlich aus der Vergangenheit gelernt haben. Dass die NSU unbehelligt über ein Jahrzehnt lang morden konnte, zeigt, dass dem leider nicht so ist. Um dem Rechtsextremismus der Mitte keine Möglichkeit zur Normalisierung zu lassen, sollte sich jede politische Gruppe nicht nur zum Antifaschismus und gegen rechte Tendenzen positionieren, sondern dies auch zur Grundhaltung ihrer politischen Arbeit machen. Dann könnten sich AfD und Konsorten nicht hinter Mainstreampositionen verstecken und die „Schweigespirale“ wäre aufgebrochen. Und das gilt auch für die Bewegung gegen S21.

Weitere Links zur AfD z.B.

der Freitag – Community: AfD gegen „Multikulti-Umerziehung“

Publikative.org: AfD: Zwischen Gründung und Selbstzerfleischung

ruhrbarone: Rechte Splitterpartei „Die Freiheit“ zieht sich zurück und unterstützt jetzt die AfD

Nachdenkseiten: Können Marktradikale und Nationalchauvinisten eine „Alternative für Deutschland“ sein?

*: Jens Loewe war übrigens schon in der Vergangenheit durch seine Nähe zur Europäischen Arbeitsgemeinschaft Mut zu Ethik (die wiederum in Zusammenhang mit der mittlerweile aufgelösten rechten Psycho-Polit-Sekte VPM steht) [08.01.14: in seiner Kurzbiografie bezeichnet er sich als Mitarbeiter und Referent der Mut-zur-Ethik-Konferenz, weitere Referenten waren bspw. F. William Engdahl (Autor beim rechts-esoterischen KOPP-Verlag) und Prof. Dr. Karl-Albrecht Schachtschneider (Gründungsmitglied der rechtspopulistischen Klein-Partei Bund freier Bürger).] und der Moderation einer Veranstaltung [08.01.14: youtube-Video der VA Medienkrise & S21] des bekannten Rechtspopulisten Christoph Hörstel (Compact-Autor, Gründer der Partei „Neue Mitte“) [08.01.14: Hörstels Ansichten („unsere Freunde von Rechts, die mit den seltsamen Stiefeln und den kurzen Haaren“) bei einer Rede vor Verschwörungsfans etc. in einem weiteren youtube-Video.] aufgefallen.


Ubermans Schlafrhythmus: Nur 2h Schlaf und dann fitter als je zuvor?!

[Update: 07.07.2016]: Ich habe wieder mit der Umstellung auf polyphasisches Schlafen begonnen. Wie es damit läuft, berichte ich auf www.superheldenschlaf.de.

Was haben Regatta-Segler, Astronauten und sogenannte Eilte-Soldaten gemeinsam? Sie alle trainieren einen Schlafrhythmus, bei dem täglich nur zwei Stunden Schlaf ausreichen. Ein Selbstversuch.

Winter in Falun, Schweden. Die Sonne ist nur von 9 bis knapp 15 Uhr zu sehen. Dann wieder Dunkelheit. Tag für Tag. Während meines ersten Winters als Masterstudentin in Schweden, bekam ich zu spüren, wie sehr fehlendes Sonnenlicht auf die Stimmung drückt. Es war eine Qual morgens aus dem Bett zu kommen, während die Tage immer kürzer wurden. Mal länger zu schlafen, tat auch nicht sonderlich gut, denn kurz nach dem Frühstückskaffee den Sonnenuntergang zu betrachten, war einfach nur deprimierend. Was konnte da helfen? Lichttherapie oder Johanniskraut? Viel zu gewöhnlich für meinen Geschmack.

Mit zwei Stunden Schlaf fitter als je zuvor Nach einer kurzen Internetrecherche fand ich, wonach ich suchte: Uberman’s Sleeping Schedule. Bei diesem Schlafrhythmus wird auf eine längere Schlafzeit verzichtet und nur alle vier Stunden für 20min geschlafen. Nach etwa einer Woche der Umgewöhnung, stellt sich der Körper um und die insgesamt zwei Stunden auf 24h genügen, um fit und ausgeruht zu sein. Es hieß sogar, man wäre fitter und ausgeruhter als je zuvor. Da ich ja sowieso die ganze Zeit müde war, dachte ich mir, könnte ich das ja mal ausprobieren. Bei meinem wöchentlichen Studienpensum könnte ich die Extra-Zeit auch wirklich gut gebrauchen.

Warum das ganze funktionieren sollte? Normalerweise bekommt der Mensch während seinem 8-stündigem Schlaf etwa 1,5h REM-Schlaf. Dieser ist besonders wichtig für die geistige und körperliche Regeneration. Werden die 20min-Nickerchen regelmäßig und konsequent durchgehalten, schaltet das Gehirn – allein aus Überlebenswillen – nach drei bis fünf Tagen um und packt möglichst viel REM-Schlaf in die neuen Schlafzeiten.

Vielen bekannten Persönlichkeiten, wie Leonardo da Vinci, Thomas Edison, Nikola Tesla, Napoleon und Winston Churchill wird dieser Schlafrhythmus nachgesagt. Regatta-Segler, Astronauten und sogenannte Elite-Soldaten trainieren ihn für Situationen, bei denen längere Schlafzeiten zu gefährlich wären.

Langzeit-Studien gibt es keine – kurzfristig entsteht jedoch kein Schaden Claudio Stampi, Gründer und Leiter des Chronobiologischen Forschungsinstituts Boston, Massachusetts ist ein prominenter Verfechter des polyphasischen Schlafens. Mehrere Wochen im polyphasischen Schlafrhythmus schaden der Gesundheit offensichtlich nicht. Doch gibt es bisher keine wissenschaftlichen Langzeit-Studien darüber. Es wird auch schwierig, geeignete Probanden zu finden, denn wer führt schon so ein selbstbestimmtes Leben, um diesen Schlafrhythmus längere Zeit strikt durchhalten zu können? Die Bloggerin PureDoxyk, die den sogenannten Uberman-Schlafrhythmus zuerst im Internet publik machte, berichtete, dass sie ein halbes Jahr so gelebt hatte. Ich wollte es einen Monat durchhalten.

Meine Schlafzeiten sollten um 2, 6, 10, 14, 18 und 22 Uhr sein. Anfangs schaffte ich es kaum, während der erlaubten 20min einzuschlafen. Trotzdem war ich nach den ersten zwei Nächten ohne richtigen Schlaf erstaunlich fit. Doch am dritten Tag fühlte ich mich wie ein Zombie (Hinweis am Rande: Gefährliche Tätigkeiten, wie Autofahren, Gemüse schneiden und Ähnliches sind in der Umgewöhnungsphase unbedingt zu vermeiden!). Beim Nickerchen am Nachmittag verschlief ich dann trotz meiner beiden Wecker. Es waren aber nur drei Stunden zu viel und mit der Umgewöhnung musste ich deshalb zum Glück nicht von vorne beginnen. Mein Ehrgeiz war dafür umso mehr angestachelt und von nun an war Verschlafen kein Thema mehr.

Als „Uberfrau“ konnte ich über meine Kommilitonen nur milde lächeln Am Abend des vierten Tages fühlte ich mich schon viel besser. Endlich war ich fit genug, um die Vorteile meines neuen Tagesablaufs zu genießen. Was meine Kommilitonen an drei Tagen erarbeiteten, schaffte ich locker an einem. Und ich hatte noch genug Zeit für Freizeitaktivitäten oder um geduldig Computerprobleme meiner Eltern übers Telefon zu lösen. Kam die Müdigkeit doch mal zwischen zwei Nickerchen zurück, machte ich einen kurzen Spaziergang, dann ging es wieder. Schon am fünften Tag war das kaum noch der Fall. Ich fühlte mich einfach großartig.

Mein Gefühl für Zeit – besonders für die Begriffe früh, spät, Tag, Nacht – wandelte sich grundlegend. Plötzlich war es für mich ziemlich verwirrend, wenn jemand von „gestern“ oder „morgen“ sprach. Denn zwischen meinem heute und meinem gestern lagen ja nur 20min und nicht 8 Stunden, wie bei allen anderen, die aus meiner Perspektive regelmäßig in eine Art 2-tägigen Winterschlaf verfielen. Als „Uberfrau“ konnte ich über die verschlafenen Gesichter meiner Mitbewohner morgens in der Küche nur milde lächeln.

Sozial unverträglich, aber die Faszination bleibt Genau das war es am Ende auch, was mich am Ubersleep nach ein paar Wochen zu stören begann: Die 8-Stunden-Schläfer kamen mir immer fremder vor. Ich hatte das Gefühl, drei mal so viele Leben zu führen und nur während einem davon meinen Kommilitonen und Mitbewohnern zu begegnen. Wenn ich mit Freunden etwas unternahm, nervte es mich (und sie wohl auch), dass ich mitten drin für eine halbe Stunde verschwinden musste. Gerade in so einer kleinen Stadt wie Falun, in der schwedischen Provinz, und zusätzlich in einem engen Studentenwohnheim, passte so ein extravagantes Leben einfach nicht. Und so entschied ich mich nach einem Monat, mein Experiment vorerst abzuschließen. Das war im Jahr 2006. Noch immer übt dieses dreifache Leben eine Faszination auf mich aus. Und ich bin überzeugt: Es wird nicht das letzte Mal für mich gewesen sein.

Zuerst in der g:nau erschienen.


Am Rande der Proteste gegen die Einheitsfeier aufgedeckt: Das „lesen“ also Polizisten!

daslesenalsopolizisten


Hintergründe der aktuellen Ausschreitungen in Bangladesch

Nachdem am Dienstag, 17. September, ein weiterer islamistischer Politiker wegen Kriegsverbrechen während des Unabhängigkeitskrieges von 1971 zu Tode verurteilt wurde, ist es in Bangladesch erneut zu schwersten Ausschreitungen (siehe z.B. BBC News vom 18.09.2013) gekommen. Im Juli 2013 habe ich einen Artikel für die g:nau verfasst, bei dem ich die Hintergründe des Konfliktes zu entschlüsseln versuche.

Kein Frühling in Bangladesch

Vier Jahrzehnte nach den Massakern während des Unabhängigkeitskriegs von Bangladesch gründetet die derzeitige Awami-Regierung ein Tribunal zur Aufarbeitung der Kriegsverbrechen. Im Februar 2013 demonstrierten Hunderttausende für die Todesstrafe der Kriegsverbrecher von damals. Darauf folgten die gewaltsamsten Ausschreitungen in Bangladesch seit Jahrzehnten.

shahbagh5_klein

Besetzung des Shahbagh-Platzes am 05.02.2013. Foto: Mehdi Hasan Khan

Immer wieder ist Bangladesch wegen der lebensgefährlichen Bedingungen der Textilarbeiter, die für Hungerlöhne Waren auch für den deutschen Markt anfertigen und den maroden Textilfabriken in den Schlagzeilen. Doch nahezu unbemerkt von deutschen Mainstream-Medien zogen im Februar Hunderttausende zu Demonstrationen auf die Straße und besetzten wochenlang den Shahbagh-Platz in der Hauptstadt Dhaka. Ihre Forderung? Die Todesstrafe für Kriegsverbrecher des Unabhängigkeitskrieges von 1971. Die Hintergründe sind komplex und die Bevölkerung Bangladeschs ist seit jeher zutiefst gespalten.

Unabhängigkeit nach 9-monatigem Krieg

Seit Ende der Britischen Besetzung 1947 war Bangladesch (damals: Ost-Pakistan) Teil des heutigen Pakistan (damals: West-Pakistan). Im Jahr 1971 kam es zu einem 9-monatigen Krieg zwischen Ost- und West-Pakistan, an dessen Ende Bangladesch die Unabhängigkeit erlangte. Auf der Seite der pakistanischen Kräfte kämpften etliche Bangladeschi, insbesondere Anhänger der Partei Jamaat-e-Islami und ihrer Studentenorganisation Islami Chhatra Shibir sowie spätere Mitglieder der Bangladesh Nationalist Party (BNP).

Gemeinsam begingen sie schwerste Kriegsverbrechen: Massaker an der Zivilbevölkerung, Massenvergewaltigungen und die systematische Ermordung von religösen und ethnischen Minderheiten und politischen Intellektuellen. Insgesamt starben bei dem Krieg zwischen 300.000 und 500.000 Menschen, laut manchen Quellen bis zu drei Millionen; mehrere Millionen Menschen, hauptsächlich Hindus, flohen nach Indien.

Aufarbeitung der Kriegsverbrechen nach einem halben Jahrhundert

Im Jahr 2009, also 39 Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg, verabschiedete die Regierung unter der Awami-Liga eine Resolution zur strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechern und gründete das International Crimes Tribunal (ICT) im März 2010. Schon zu Beginn kritisierte die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch das Tribunal wegen Mangel an Transparenz und seiner Parteilichkeit, ohne dass dies zu maßgeblichen Änderungen führte.

Im Jahr 2012 lagen dem Tribunal genügend Beweise vor, um neun hochrangige Mitglieder der Partei Jamaat-e-Islami, heute die größte islamische Partei von Bangladesch, und zwei Mitglieder der BNP, die stärkste Oppositionspartei im heutigen Bangladesh, wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Schon im Dezember 2012 kam es deshalb zu gewaltsamen Protesten der Jamaat-Anhänger, bei denen ein Mensch getötet wurde.

Die erste Verurteilung durch das Tribunal erfolgte im Januar 2013. In Abwesenheit wurde der islamische TV-Prediger und Jamaat-Anhänger Abul Kalam Azad zum Tode verurteilt. Ihm war es gelungen wenige Stunden vor dem Prozess zu fliehen. Doch die Proteste der Bevölkerung brachen erst einen Monat später aus, als am 5. Februar 2013 Abdul Quader Molla, stellvertretender Generalsekretär der Jamaat-Partei, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft – und nicht zur Höchststrafe, der Todesstrafe – verurteilt wurde. Als er aus dem Gerichtsgebäude kam, zeigte der „Metzger von Mirpur“, benannt nach dem Massaker an 344 Dorfbewohnern von Alokdi, Mirpur, ein Victory-Zeichen.

Besetzung des Shahbagh-Platzes und Massen-Proteste

Erbost darüber, dass diesmal nicht die höchst-mögliche Strafe ausgesprochen wurde, riefen Online-Aktivisten des Blogger und Online Aktivisten Netzwerks (BOAN) zu Demonstrationen auf. Die zentrale Shahbagh-Straßenkreuzung in der Hauptstadt Dhaka wurde spontan von Demonstranten besetzt. In den folgenden Tagen schlossen sich immer mehr Menschen den Protesten an. Sie forderten nicht nur die Todesstrafe für alle Kriegsverbrecher des Unabhängigkeitskrieges, sondern auch das Verbot der an den Kämpfen beteiligten Partei Jamaat-e-Islami und den Boykott aller Institutionen, die mit ihr in Verbindung stehen. Über Hunderttausende gingen ab dem 8. Februar landesweit auf die Straße.

shahbagh1_klein

Hunderttausende versammeln sich auf dem Shahbagh-Platz, 14.02.2013. Foto: Nasir Khan Saikat

shahbagh2_klein

Demonstranten fordern Todesstrafe der Kriegsverbrecher. Foto: Mehdi Hasan Khan

Die junge Politologie-Dozentin Dilara Rahman war von Anfang an dabei. Auf Nachfrage berichtet sie am 11. Februar 2013: „Es geht unserer Bewegung nicht nur um die Todesstrafe, sondern auch um die Liebe zu unseren Freiheitskämpfern und unserem Land. Diese Kriminellen sind Fundamentalisten und sie sind immer noch aktiv in der Politik. Unsere Politiker haben immer gemeinsame Sache mit ihnen gemacht. Unsere Forderung ist, dass damit jetzt Schluss ist. In unserer Bewegung ist kein Politiker oder sogenannter Intellektueller zu finden. Die junge Generation und ganz normale Leute singen, tanzen und protestieren hier.“

Nur vereinzelte Shahbagh-Aktivisten sprechen sich gegen die Todesstrafe aus. Einer von ihnen ist der zwischen New York und Bangladesch pendelnde Anthropologe und Künstler Naeem Mohaiemen. Auch die Menschenrechtsaktivistin Sultana Kamal ist eine Gegnerin der Todesstrafe und erklärte diese Forderung mit dem Zynismus der Bevölkerung von Bangladesch, die Jahrzehnte auf strafrechtliche Verfolgung der Kriegsverbrecher warten musste.

Die Proteste weiten sich aus – doch auch die gewaltsamen Gegendemonstrationen

Doch die Bevölkerung scheint mehr denn je zutiefst gespalten. Die islamistische Jamaat-Partei ist in der Gesellschaft keineswegs marginalisiert. Sie hat viele Anhänger und kontrolliert etliche Institution, wie Banken, diverse Firmen, verschiedene Medien. Als Antwort auf die Forderungen der Shahbagh-Demontranten mobilisierte sie zu Demonstrationen und Streiks, die regelmäßig zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei führten und bei denen mehrere Menschen starben. Auch die fundamentalistische Gruppierung Hefajat-e-Islam beteiligte sich an den gewaltsamen Protesten und forderte die Bestrafung aller „atheistischer Führer“ der Shahbagh-Bewegung, Blogger und anderer „Anti-Islamisten“. Einer der Shahbagh-Blogger, Thaba Baba, wurde bereits am 15. Februar brutal ermordet.

Nachdem am 28. Februar der Vize-Präsident von Jamaat-e-Islami, Delawar Hossain Sayedee, durch das Tribunal zur Todesstrafe verurteilt wurde, riefen die Jamaat-Anhänger zu einem landesweiten 2-tägigen Streik auf. Es kam zu den schwersten Ausschreitungen in Bangladesch seit Jahrzehnten, die Anzahl der Toten bei den Protesten erhöhte sich auf 44 Menschen, Hunderte wurden verletzt.

Vermehrt versuchten nun Jamaat-Anhänger die Shahbagh-Demonstranten anzugreifen. In den folgenden Wochen kam es zu mehreren Bombenanschlägen, unter anderem auf dem Shahbagh-Platz, auf den Obersten Gerichtshof und das IC Tribunal. Außerdem attakierten Jamaat-Anhänger Hindu-Gemeinden und zerstörten mindestens 40 Hindu-Tempel; auch Polizeistationen und Regierungsgebäude blieben von ihnen nicht verschont. Insgesamt kamen laut offizieller Angaben mehr als 100 Menschen zu Tode.

„Wir haben die Hoffnung vollkommen verloren…“

Wie sich die gesellschaftliche Situation in Bangladesch entwickeln wird, ist schwer abzusehen. Die Anhänger der Shahbagh-Proteste haben sich vorerst ernüchtert zurückgezogen. Am 12. Juni 2013 schreibt Dilara Rahman: „Wir, die gewöhnlichen Menschen, haben die Hoffnung vollkommen verloren, da die Regierung unseren Protest vereinnahmt hat. Sie hatten eine enge Beziehung mit diesen Kriminellen, deshalb haben sie kein Interesse an ihrer Bestrafung. Im Februar, als einer der Kriegsverbrecher nur eine geringe Strafe erhielt, haben die Menschen realisiert, dass dieses Tribunal nur Augenwischerei ist und wir sind auf die Straße gegangen. Geändert hat sich nichts… Das ist unsere schmutzige Politik.“

Mittlerweile sind die Proteste zwar verebbt. Doch insbesondere zu den Wahlen Ende des Jahres rechnen internationale Beobachter mit weiteren gewaltsamen Ausschreitungen der Islamisten. Auch das Tribunal ist noch nicht abgeschlossen. Die Besetzung der Shahbagh-Kreuzung ist unterdessen längst aufgelöst. Zurückgeblieben sind allein die Überwachungskameras, die einst zum Schutz der Demonstranten installiert wurden. (jvs)


Brandschutz im Stuttgarter Hauptbahnhof: Löschwasser-Hydranten seit über 1 Woche außer Betrieb

Schon seit einer Woche sind die Wandhydranten der Löschwasser-Anlage im Stuttgarter Hauptbahnhof außer Betrieb. Die Firma Imtech, die offensichtlich für den Brandschutz verantwortlich ist, war schon beim fehlerhaften Brandschutzanlage des BER negativ aufgefallen.

Bild

Letzte Woche am Freitag erhielt ich einen Anruf im PS-Büro: Eine Mahnwächterin berichtete, dass die Wandhydranten der Löschwasser-Anlage im Erdgeschoss des Stuttgarter Hauptbahnhofs außer Betrieb seien. Der Fotograf Wolfgang Rüter dokumentierte die gekennzeichneten Hydranten (Fotos in meinem BAA-Artikel).

Eine Woche später, also am 16.8., wollte ich überprüfen, ob die Hydranten noch immer außer Betrieb waren. Und tatsächlich: Noch immer waren alle Wandhydranten im Erdgeschoss des Hauptbahnhof mit den „außer Betrieb“-Hinweisen gekennzeichnet. Nun wollte ich das Ganze nicht auf sich belassen, denn sollte es zu einem Brand kommen, wäre es doch wohl fatal, wenn kein einziger Hydrant in Betrieb ist.

Von der Feuerwehr zur EnBW zur DB  – wer ist denn nun zuständig?

Also rief ich zunächst bei der Abteilung Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der Stadt Stuttgart an. Hier wurde mir mitgeteilt, dass nicht sie für die Löschanlagen zuständig seien, sondern die EnBW. Ob es nicht gefährlich sei, so ganz ohne funktionierende Hydranten in dem Bereich, wollte ich wissen. Aber das sollte ich dann mit der EnBW klären. Also rief ich bei der EnBW an und erfuhr, dass die Zuständigkeit der EnBW sozusagen an der Haustür aufhört. Allein die Bahn sei für die Löschwasser-Anlage zuständig.

Brandschutz muss bis Montag warten

Da es mittlerweile schon gegen 18 Uhr war, konnte ich niemanden mehr bei der Pressestelle in Stuttgart erreichen. Die Mitarbeiterin der Berliner Pressestelle riet mir, es per Email mit meinen Fragen zu versuch. Und tatsächlich erhielt ich ein paar Stunden später eine Antwort vom BW-Sprecher: Er habe gerade Urlaub, aber sein Kollege würde sich am Montag um meine Fragen kümmern. Da eine nicht-funktionierende Löschwasser-Anlage im Erstfall Leben kosten kann, warte ich mit meinem Bericht nicht bis Montag. Falls ich dann eine Antwort erhalte oder die Wandhýdranten wieder funktionieren werde ich das hier ergänzen.

Wo bitte geht’s zu den funktionierenden Lösch-Hydranten?!

Heute, am Samstag, habe ich mir nochmal die Hydranten angeschaut. Trotz meiner gestrigen Telefonate waren sie alle noch außer Betrieb. Außerdem habe ich nach alternativen Hydranten im Hauptbahnhof gesucht. Auf der Erdgeschoss-Ebene konnte ich keinen entdecken. Auf der Hinweistafel mit dem Flucht- und Rettungsplan waren sie nicht eingezeichnet. Oben bei den Gleisen konnte ich dann doch einen Hydranten entdecken und weitere ganz unten bei den Gleisen der U-Bahnen. Sicher nicht genug, wenn es tatsächlich brennen sollte. Außerdem ist eine der drei Türen des Haupteingangs auch seit über einer Woche defekt.

Auch das noch: Firma Imtech und das BER-Debakel

Wie ich dann einem Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel entnehmen konnte, war die Firma Imtech, die offensichtlich die „außer Betrieb“-Hinweiszettel an die Hydranten angebracht hatte, schon an der fehlerhaften Brandschutzanlage des BER beteiligt. Einer der wichtigsten Gründe übrigens, warum der Eröffnungstermin des BER verschoben werden musste. Bei unserem „Glück“ hier, wird sich die Firma Imtech auch um den Brandschutz bei S21 kümmern.

Aus dem Wikipedia-Artikel erfuhr ich dann, dass zudem Thomas Wüppesahl von der Firmenleitung beauftragt wurde, interne Korruption zu ermitteln. Aber er ermittelte anscheinend zu intensiv, erkannte mafiöse Strukturen und erhielt am Ende Hausverbot.

BildBildBildBild

 


Tagebuch eines Aussteigers – Teil 1

Hier veröffentlichen wir in loser Folge die Briefe von Thomas, der nach 8-monatiger Vorbereitung seine Wohnung in Stuttgart kündigte, um in einem 4 Ar großen Gartengrundstück – so naturverträglich wie möglich – im Schurwald zu leben. Ganz aus der Gesellschaft ausgestiegen ist Thomas aber nicht, seine politische Arbeit führt er mitten aus der Natur fort. Fragen, Zuspruch, Briefe (hier gehts zur Anschrift) etc. leiten wir gerne an ihn weiter.

1. August 2013

Heute ist der erste Tag von meinem Experiment. Gestern war die offizielle Wohnungsübergabe und Schlüsselübergabe meiner bis dato bezogenen Wohnung in Stuttgart.

Ab heute ist es so, dass sich nur noch eine Postanschrift im Stuttgarter Westen habe und ansonsten in meinem Garten im Schurwald lebe. Das Gartenhaus-Grundstück ist ca. vier Ar groß, hat eine kleine Hütte von ca. 5 m², mehrere Streuobstwiesenbäume, Hasselnuss, Wacholder und Brombersträucher. Es ist sehr schön verwachsen und in ca. 100 m ist eine Quelle (sogar Trinkwasser). weiterlesen


%d Bloggern gefällt das: