Monatsarchiv: März 2013

Karls Haft-Tagebuch – Letztes Statement aus der Anstalt

Über Post aus dem Knast: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichten wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickte. Am 4. März wurde er aus der Haft entlassen.

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Am Tag vor seiner Haftentlassung verfasste Karl das folgende Statement aus der Anstalt:
„Vielen Dank für eure Solidarität während meines Haftaufenthalts. Über 400 Postkarten und Briefe mit Inhalt haben mich erreicht. Das war super! Einen extra Dank für die 600 Euro, die mir einen weiteren Knastaufenthalt erspart haben. Weil … Knast ist nicht schön. Trotzdem werde ich mit euch für unsere Rechte und für das Ende von Stuttgart 21 weiterkämpfen. Grube, Kefer, Ramsauer und alle Hintermänner versuchen weiterhin dieses dumme Bauvorhaben mit allen Tricks, Lügen und Betrug durchzusetzen. Diese Marionetten der Immobilien-, Bau- und Finanzhaie werden von der Staatsanwaltschaft geschützt und müssen nicht in den Knast. Stattdessen hetzen diese Lobbyisten die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen uns auf. Diese versucht uns mit hohen Strafen und Gefängnis einzuschüchtern. Eure Post war die Bestätigung, dass wir gemeinsam weiterkämpfen. Unsere Widerstandsaktionen sind notwendig und legal, um dieses unnütze, gefährliche und aufgezwungene Großprojekt zu beenden.“

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Karls Haft-Tagebuch – Teil 7

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Das Neueste aus der Anstalt Nr. 7
Rottenburg 1.3.2013

Hallo ihr wackeren Kämpferinnen da draußen,
das wird wohl der letzte Tagebuchbericht aus dem Knast von mir sein Doris, Julia und mein Sohn hatten mich am Donnerstag besucht. Das war echt toll für mich. Ich war sofort locker drauf, als ich sie sah und konnte wieder richtig lachen. Vielen Dank. Wenn ich nicht gerade am Montag aus dem Knast kommen würde, würde ich doch gleich mit nach Berlin mit dem Bus zur Aufsichtsratssitzung fahren. Echt gute Idee, es ist ja gerade viel am laufen. Irgendwann müssen doch mal andere Entscheidungen getroffen werden. Mario Roland Baum, ca. 65 Jahre, habe ich kennen gelernt. Er ist bei jeder Montags-Demo mit dem Fahrrad dabei. Seit 7. Februar ist er schon hier und muss bis 7. Mai bleiben. Wenn Ihr mal schreiben wollt – er freut sich auf Post. Auch er kann dann Briefmarken für ein Antwortschreiben brauchen.

Mittlerweile ist das Thema K21/S 21 auch hier ein Gesprächsthema. Vielen fehlen die Hintergrundinformationen und sie sind dann erstaunt, wenn wir ihnen diese dann nennen, warum das Projekt nicht eingestampft wird. Das geht uns auch so.

Wir dürfen hier keinerlei elektrische Geräte in der Zelle nutzen, außer dem Fernseher. Laptops, Handys, Radios werden alle beim Haftantritt eingeschlossen und du bekommst sie am Tag der Entlassung wieder ausgehändigt.

Nochmals vielen Dank für die vielen Postkarten ca. 250 und Briefe ca. 70. Die haben mir alle gut getan, jeder einzelne, aber es ist unmöglich, die alle zu beantworten – dass versteht ihr doch sicher. Die meisten Grüße kamen natürlich aus dem Stuttgarter Raum, aber auch aus Berlin, München, aus der Lausitz, Würzburg und mehrere aus Heidelberg. Es gibt von dort eine Gruppe, die immer zur Montags-Demo fährt – echt super. Auch ein „Schwarzwälder Bäuerle“, ein Schlosser aus Eppenheim und die „renitente Rentnerin“ waren dabei. Meine Schlüssel zur Freiheit hänge ich an das zugeschickte Schlüsselband http://www.karls.de und die zwei Bücher werde ich zuhause lesen.

Gerne komme ich den vielen Einladungen zu einer Spieleblockade nach – bringt einfach bei einer der nächsten Aktionen welche mit, ich spiele dann gern mit euch Schach, Mühle,… Bei der „Resozialisierung“ könnt ihr mich draußen ja unterstützen. Leider wurde der echte Blumenstrauß an der Pforte abgelehnt, aber eure Bilder und Postkarten mit Blumen und Bäumen kamen durch und verschönerten das Bücherregal.

Viele von euch fanden sich durch unsere gemeinsame Aktion, ich drinnen, ihr draußen, gestärkt im Widerstand weiter zu machen, ob in ähnlicher Form oder in anderer. Das klingt doch ganz gut und allein dafür hat sich das schon gelohnt.

„Mappus, Grube, Kefer,… rein – Karl raus,“ – ja ich mache am Montag Platz, aber meine Mithäftlinge waren nicht so begeistert, solche Leute hier sehen zu müssen. Es war der Wunsch von vielen, die mir geschrieben haben, dass diese Leute ihre gerechte Strafe bekommen für ihre Lügen und ihren Betrug. Da schließe ich mich an. Für unseren Widerstand „scheint hinter den Wolken die Sonne“ und vielleicht kommt sie nächste Woche im doppelten Sinn durch – schön wär’s!

„Grube und Kefer sagen zu Merkel: es gibt drei Regeln für ein ehrliches Geschäft, doch leider ist uns keine bekannt.“

Besonders gefreut habe ich mich über einen Brief von den Widerstandskämpferinnen aus Florenz, die auch gegen ein unnützes und aufgezwungenes Bahnprojekt im Susa Tal kämpfen. Ich habe Tiziano Cardosi beim letztjährigen europäischen Treffen dieser Widerstandsgruppen in Nantes/Frankreich kennen gelernt. Da spüre ich eine sehr starke Solidarität, die mir viel Kraft gibt – vielen Dank nach „NO TAV“ ins Susa Tal und Florenz. Wir trugen in Nantes ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Stopp der unnützen und aufgezwungenen Großprojekte – Verbindet euch im Kampf.“ Dieses T-Shirt trug ich auch am Tag meines Haftantritts und werde es am Montag wieder anziehen, wenn ich entlassen werde.

Zum Schluss möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die für ein Gelingen dieser gemeinsamen Aktion beigetragen haben.

Wir sehen uns und bleiben oben,
gemeinsam schaffen wir es!
Mit solidarischen Grüßen
Karl


Karls Haft-Tagebuch – Teil 6

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

Neues aus der Anstalt Nr. 6

Rottenburg, Do. 28.2.2013

Liebe Mitstreiterinnen + Mitstreiter

H20130218-DSC_8107eute Mittag bekomme ich Besuch, wenn es so klappt wie geplant. Ich bin gespannt, was sie über die Stimmung in Stuttgart sagen.

Viele Menschen haben für mich einen Tagessatz für meine restlichen 40 Tage übernommen. Das Geld wurde überwiesen, so dass ich am Montagfrüh, wie geplant entlassen werde. Dies wurde mir jetzt offiziell mitgeteilt. Vielen Dank an all die, die mich auch finanziell unterstützt haben. Falls noch mehr Geld zusammenkommt als die 600€, wird dies allen anderen für unsere weitere juristische Auseinandersetzungen für Rechtsbeistand verwendet.

Immer donnerstags oder freitags werden die Neuankömmlinge vom Eingangsbereich in die anderen Häuser verteilt. So auch heute und wir bekamen einen weiteren „Mitbewohner“ auf unsere Zelle – 17 Tage wegen Geldstrafe. Er ist ca. 55 Jahre alt. Jetzt wird es schon bedeutend enger. Die Zelle ist ca. 12 m² groß und nach den Kriterien der Vorschriften für 3 Personen meines Wissens viel zu klein. Jedem Inhaftierten stehen nach den Infos von Altknackis 7m² zu. Damit würde die jetzige Belegung gegen die Vorschrift verstoßen. – Ich werde mich kundig machen und sichten, ob ich eine Beschwerde einlege. Wenn schon aus menschenrechtlichen Gründen diese Mindestgröße vorgeschrieben wird, muss sie auch eingehalten werden.

Wir bekommen meist 1 Tag später die Stuttgarter Zeitung zum Lesen, sodass ich einigermaßen auf dem Laufenden bezüglich der Sachlage von K21 bin. Als ich vor 8 Tagen hier rein musste, war die allgemeine Stimmung: Wir sind relativ bald durch mit S21. Nach den klaren Statements von Ramsauer, Grube + Merkel, habe ich erst mal das Gefühl, dass die Stimmung wieder kippt. Aber was erwarten wir? Diese Leute in dieser Stellung sind die Marionetten der Lobbyisten. Sie werden offiziell erst anders votieren, wenn sie aus einem politischen Druck heraus geradezu gezwungen werden. Von allein und über die Kraft der Argumente werden sie sich nicht verändern. Da habe ich keine Erwartung. weiterlesen


Karls Haft-Tagebuch – Teil 5

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Rottenburg 26.2.2013

Hallo ihr unentwegte Widerständlerinnen draußen!

Jetzt hat es mich doch ein wenig eingerissen mein Schnupfen nimmt leider zu, so dass mich dies in meinen Aktivitäten bremst. Vielleicht habe ich einfach die „Schnauze voll“, nachdem ich mitbekommen habe, was Grube, Verkehrsminister Ramsauer und laut Stuttgarter Nachrichten auch unser Ministerpräsident Kretschmann sagte, der sich immens noch die Legitimation vom Volksbetrug – manche sagen auch Volksentscheid dazu – holt. Dass darf doch nach all den neuen Enthüllungen nicht wahr sein.
Mein Mitgefangener in meinem Zimmer ist 41 Jahre alt und muss insgesamt drei Monate absitzen. – Alkohol am Steuer mit Unfallfolge, keine Verletzte. Er ist selbstständig und sucht Ende Mai nach der Entlassung im Raum Stuttgart einen Job. Vielleicht gibt es in unserem Widerstand jemanden, der ihn einstellen könnte? Anfragen bitte an meine E-Mail eebraig [at] web.de schicken – vielen Dank.

Heute Mittag habe ich mit zwei Inhaftierten auf Einladung Skat gespielt. Der 73 -jährige musste neun Monate wegen Kleindelikten absitzen. Jetzt hat er noch zwei Wochen. Nachdem wir etwas vertraut wurden, erzählte er mir ein paar Episoden aus seinem sehr bewegten Leben. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie ungezwungen sich manche Mithäftlinge öffnen. Es herrscht hier in jenem „Hexenhäusle“ – so heißt dieses kleinste „Knastgebäude“der JVA Rottenburg – ein sehr gutes Verhältnis untereinander. In diesem Haus werden nur Kurzhäftlinge aufgenommen und keine schweren Jungs auch der zuständige Gefängnisangestellte bemüht sich wirklich um ein gutes Verhältnis untereinander, so habe ich es bis jetzt wahrgenommen. Manche dieser schweren Jungs habe ich gestern und heute im Sanitätsgebäude im Warteraum getroffen ich bin froh, dass ich hier bin und nicht in den Gebäuden, die im Gangbereich noch genauso aussehen, wie in den Filmen. Drei- oder vierstöckige Metalletagen, von denen aus die Zellen weg gehen. Da verbindet man doch andere Szenen. weiterlesen


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