Besuch im Hambacher Forst

20130214-DSC_7446Die Strecke zum Hambacher Forst ist nicht sehr weit. Es sind knapp 380 km, also noch ein kleines bisschen weiter als bis nach Köln, der nächsten Großstadt. Ich bin sehr froh, dass ich diese Strecke hinter mich gebracht habe, um zu schauen, was dort los ist. Bisher habe ich nur sehr sehr wenig vom Rheinischen Braunkohlerevier gehört oder gelesen. Klar, als im letzten Herbst die Waldbesetzer im Hambacher Forst geräumt wurden, habe ich natürlich ein bisschen genauer hingehorcht, aber mehr, als dass dort gegen die Rodung im Rahmen des Braunkohleabbaus protestiert wird habe ich auch nicht wirklich erfahren. Also bin ich zusammen mit Julia, die als Referentin zu einer Veranstaltung der dortigen AktivistInnen über Repression eingeladen war, und Thomas hochgefahren.

20130213-DSC_7328Wir machten Halt in dem kleinen Dörfchen Morschenich, knapp 500 Einwohner. Morschenich wird wie viele andere Dörfer und Siedlungen dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen. Die Umsiedlungpläne sind schon ausgearbeitet und „einvernehmlich“ mit RWE und den Bewohnern beschlossen. In den nächsten 10 Jahren wird, natürlich von RWE finanziert, in ein paar Kilometer weiter Neu-Morschnenich gebaut und die Einwohner haben genug Zeit umzuziehen. Dann wird das Dorf „geschliffen“. Es war schon ein seltsames Gefühl durch die leeren Straßen des Dorfes zu Laufen. Leer weil es einfach ein kleines Dorf ist, in dem nicht viel los ist, aber mit dem Wissen, 20130213-DSC_7344dass in ca 10 Jahren hier ein braunes Loch sein soll, war diese Leere schwer und drückend. Auch habe ich Wut gespürt. Nicht weil das Dorf außerordentlich schön ist, es ist ein einfaches nettes, kleines, lauschiges Dörfchen. Und eben deshalb die Wut. Es wurde von Menschen gebaut, wird gepflegt, belebt und mit sicherheit auch als Heimat geliebt. Und dann kommt RWE, und will an die Kohle. Das Dorf stört. Das Dorf muss weg.

Respektlosigkeit allerhöchster Klasse!

Respektlosigkeit gegenüber der Natur! Es wurden und werden tausende von Bäumen gefällt, der Lebensraum von noch mehr Tieren wird zerstört!

Respektlosigkeit gegenüber der Menschen auf dem Land, die in Dörfern wohnen ,die zum Teil mehrere hundert Jahre alt sind, und die rumgeschubst werden und den Baggern weichen sollen!

Zudem werden noch Autobahnen und Bahnlinien verlegt. Es ist sogar vorgekommen, dass ein Dorf zweimal umgesiedelt worden ist, weil unter der ersten Neusiedlung auch Braunkohle war!

Nich zu vergessen, was die Folge des Verbrennens der ganzen abgbauten Kohle für das Weltklima hat!

Und das alles, weil es sich lohnt Braunkohle abzubauen? Da werden wir doch gründlich verarscht!

20130214-DSC_7425Als wir dann am Donnerstag morgen zum Abbruchkante des Tagebaus gegangen sind war ich schließlich komplett sprachlos. Meine Vorstellungen des Ausmaßes der Zerstörung kam nicht einmal ansatzweiße an die Realität ran. Wetterbedingt war bis zum Horizont nichts anderes zu sehen als ein riesenhaftes tiefes braunes Loch. Ein wenig mehr als ein Duzend der größten Bagger, die es überhaupt gibt, tümmeln sich in der Grube. Trotz ihrer unglaublichen Maße, bis zu zweihundert Meter lang und fast einhundert Meter hoch, 20130214-DSC_7427sehen sie aus wie Spielzeug in einem Sandkasten. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was für Dimensionen der Tagebau dort hat.

Und das ist nur eins von drei Braunkohlerevieren in dieser Gegend!

Zu guter letzt statteten wir noch dem neuen Protest-Camp einen Besuch ab, dass 3 Tage nach der Räumung des Camps im Hambacher Forst auf einer am Wald gelegenen Wiese unweit von Morschenich aufgebaut wurde. Dort formieren sich mutige und entschlossene Menschen neu, um dem Riesen RWE Paroli zu bieten und um gegen die Unglaublichkeit zu kämpfen die hier stattfindet.

20130214-DSC_7439Schaut auf http://hambacherforst.blogsport.de/ für mehr Informationen zum Thema und fahrt dorthin, um unsere FreundInnen und MitstreiterInnen vor Ort zu unterstützen!

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Über Jens

Fotograf (Journalismus, Dokumentation, Tiere, Kunst) & Aktivist Zeige alle Beiträge von Jens

4 responses to “Besuch im Hambacher Forst

  • Willi Stock

    Aua Haueraa!
    Was denkst Du, wo der Strom für dieses Land herkommt? 25% kommen aus der Braunkohle. Das ist der Anteil, den gerade mal alle EE’s liefern zu Kosten von aktuell 20 Mrd € p.a..
    Bis wir auf die Braunkohle verzichten können, bist Du 30 Jahre älter. Hast Du Lösungen, die funktionieren?

    • Jens

      Hallo Willi,
      nein, ich weiß keine Lösung, die funktioniert. Aber die Zerstörungen, die angerichtet werden um die Braukohle abzubauen sind nunmal nicht mehr wieder gutzumachen und das ganze Geld, was in das Vorantreiben dieser Zerstörung gesteckt wird könnte ja z.B. für den Ausbau von erneuerbaren Energieen genutzt werden. Dann würden diese auch irgendwann billiger werden. Und wenn schließlich Energie nicht mehr so verschwenderisch verbraucht wird, müsste für dessen Gewinnung nicht mehr die Umwelt zerstört werden und die aus erneuerbaren Quellen würde dann ausreichen.

    • Elizabeth

      Hallo Willi,
      es gibt bestimmt Techniker, die ausrechnen können wieviel Energie man aus einer Tonne Braunkohle gewinnt und was das kostet. Mit Kosten meine ich, den Abbau, den Transport, die Umsiedlung der Menschen, die Verlegung von Straßen und Bahnlinien, die Errichtung und Wartung und Filter und Entsorgung der Asche usw. eines Braunkohlekraftwerkes, die Schäden durch Abgase bei Mensch und Natur…. Habe leider keine Ahnung welche Zahl dabei rauskommt, aber es hört sich teuer an. Wenn ich diese Zahl weiß, so kann ich mit alternativen Energieerzeugern (z.B. Windkraft oder Blockheizkraftwerken -meine Stadt hat so ein Holzschnitzelblockheizkraftwerk- ) die gleiche Menge Energie erzeugen und dafür den Preis bestimmen. Dann kann ich auch entscheiden, ob es wirklich Sinn macht an der Braunkohle festzuhalten.

  • Willi Stock

    Aber das Geld ist genau das Geld, das mit Braunkohlenstrom verdient wird, klingelt’s?

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