Monatsarchiv: Februar 2013

Karls Haft-Tagebuch – Teil 4

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Rottenburg 24.2.2013

Hallo ihr alle da draußen!
Da am Freitag, Samstag und heute hier nichts besonderes passiert ist, habe ich die drei Tage in meinem Tagebuch zusammengefasst.
Außer Frühstück, meist Brot und Tee, Mittagessen – das schmeckt nicht schlecht, sie bemühen sich richtig, sogar mit Salat; Abendessen, Brot mit Käse; außer dem einstündigen Hofgarten, ist hier übers Wochenende nicht viel los gewesen. Es gibt täglich noch 1 Stunde Aufschluss, aber außer sich mal mit anderen zu unterhalten, gibt es für mich keine weiteren Aktivitäten. Grundsätzlich ist es in dieser Zeit möglich, noch zu kochen, wenn man beim zweiwöchigen Einkauf etwas bestellt hat. Das war aufgrund meiner kurzen Zeit nicht möglich, was für mich nicht schlimm ist. Ich lerne gerade auch mal mit relativ wenig auszukommen und nutze die Zeit mit Lesen und Briefe schreiben, soweit ich Briefmarken habe. Da habe ich immer noch Bedarf.

Das Buch von Frau Müller-Enßlin: „Stuttgart ist besser als Wanne-Eickel“ hat mich gepackt. Somit konnte ich nochmals die ganzen Demos und Aktionen bis Februar 2011 durchleben. Danke Frau Müller-Enßlin. Es wäre wirklich sehr wertvoll für die Bewegung, wenn Sie Ihr Buch weiterschreiben würden. Wer nimmt sich schon Zeit, um all die Erlebnisse festzuhalten? Die Aktualität ist so schnelllebig und man wird oft auch getrieben, immer wieder bei neuen Aktionen mitzumachen, so dass das Erlebte sehr schnell verschwindet oder überdeckt wird. Umso wichtiger wäre es, wenn all diese Geschehnisse von jemandem wie Frau Müller-Enßlin festgehalten werden würden. Ich schätze besonders die persönliche Deutung und Wahrnehmung der Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen S 21. weiterlesen

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Karls Haft-Tagebuch – Teil 3

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Dritter Brief, Rottenburg 21.2.2013

Hallo liebe Mitstreiterinnen
heute bin ich vom Eingangsbereich in das Haus fünf, ein relativ kleines und altes Haus, umgezogen. Unsere Zelle ist ca. 10 m², zwei Metalletagenbetten, zwei kleine quadratische Tischchen, ein Waschbecken und drei Hängeregale mit zwei Türen, wo wir unsere Kleider und Schreibutensilien unterbringen können. Das ist alles sehr alt, aber sauber. Das Fenster ist wie in einer Kellerwohnung auf 2 m Höhe, so dass wir nicht nach außen sehen können. Die Toiletten sind im Nebenraum untergebracht, so dass die Zelle immer offen sein muss. Unsere Zelle, der Gang, von wo aus noch drei weitere Zeilen zu begehen sind und die Toiletten bilden eine Einheit.

Der Tagesablauf in diesem Haus ist folgender: Zwischen 6:00 Uhr bis 7:00 Uhr aufstehen, um 7:00 Uhr gibt es Frühstück (Kräutertee und ein paar Mischbrotscheiben; Zucker, Margarine und Zuckergelee gab es schon rationiert für zwei Wochen am ersten Tag). Wenn du nicht zur Arbeit gehst oder sonst nichts anfällt, ist die Zelleneinheit bis 11:30 Uhr geschlossen, Mittagessen – auch vegetarisch möglich, dann wieder Zuschluss bis 14:00 Uhr, ab 14:00 Uhr Möglichkeit duschen zu gehen, um 15:00 Uhr ist Hofgang angesagt – wer will und um 16:00 Uhr ist wieder Zuschluss bis 17:00 Uhr, Abendessen (heute gab es sogar drei Brötchen, Käse oder Wurst) und anschließend wieder Zuschluss bis zum nächsten Morgen. Wir sind zu zweit in unserer Zelle. Heute bekam ich, neben den vielen Postkarten, von Monika und Peter ein ganz persönliches Schlüsselband für den Schlüssel in die Freiheit und von Monika das Buch Hartland – zu Fuß durch Amerika – euch allen dafür vielen Dank.

In der SWR-Tagesschau habe ich mitbekommen, dass der stellvertretende Aufsichtsrat sich weigert, die Entscheidung über den Weiterbau von S 21 zu treffen und den Ball wieder an die Mitglieder des Lenkungskreises zurückgibt. Das kann ich gut verstehen, nichtsdestotrotz muss der Aufsichtsrat entscheiden, ob er und in welcher Höhe er bereit ist, die Mehrkosten zu bewilligen – so habe ich das wenigstens verstanden. Man wird gespannt sein, wie das Hin- und Her-Schieben der Verantwortung und Entscheidung weitergeht. weiterlesen


Karls Haft-Tagebuch – Teil 2

Über Karls Haft-Tagebuch: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Mittwoch 20.2.2013

Hallo Ihr alle

Da ich nicht weiß, was euch interessiert, bin ich einfach mutig und schreib etwas über das, was ich hier so wahrnehme und was mich persönlich beschäftigt.

Heute war richtig viel los, so dass ich kaum zum Lesen kam. 34 Postkarten und acht Briefe, darunter ein Buchgeschenk „Ein sturer Hund“ von Heinrich Steinfest von Esky bekam ich heute Früh von dem Angestellten in die Hand gedrückt – echt der Hammer – euch allen vielen Dank – Bei den Postkarten waren viele Motive von S 21 dabei, wo mir wieder deutlich wird, wie kreativ unser Widerstand ist. Ob Essenspakete bis zu mir durchkommen, weiß ich nicht. Es ist gut gemeint, aber nachdem ich heute Früh bei der Gesundheitsuntersuchung auch auf die Waage musste, werde ich die nächsten Tage hier in der Haft auch weniger auf das Essen achten als auf andere Dinge. Lasst uns die Leckereien bei der mindestens einwöchigen Feier verzehren, wenn S21 gestoppt wurde, was wir hoffentlich bald machen können.

Noch ist es nicht soweit, auch wenn es gut klingt, dass der Aufsichtsrat der DB jetzt entscheiden muss, ob er oder noch jemand anders – ein Sponsor oder mehrere – vielleicht Firmen der Baubranche und Immobilienbranche oder Finanzwelt? – Die geforderten Millionen/Milliarden absichert. Ja, es könnte sein, dass die Finanzen der Knackpunkt sind wodurch es 21 fällt – aber wenn nicht?

Ich denke, wir sollten stärker die im letzten Stern vom 14. Februar sehr gut zusammen getragene Kick-Punkte in die Diskussion bringen. Vor allem der verfassungswidrige Rückbau – das darf keine „grüne“ Politik mittragen – eine grüne Politik, die aus der Umweltbewegung entstanden ist, darf eine Reduzierung von öffentlichem Nahverkehr nicht akzeptieren. Damit würde sie fundamental gegen ihre Leitbilder handeln und damit auch den Klimawandel nicht bremsen, sondern forcieren. Es ist mir eh ein Rätsel, warum eine grün-rote Landesregierung und ein Stuttgart mit einem grünen OB noch kein Veto im Lenkungskreis eingelegt hat. – Ist unser Druck nicht groß genug? weiterlesen


Karls Haft-Tagebuch – Teil 1

Über Post aus dem Knast: Als zweiter Stuttgart 21 – Gegner hat Karl Braig am Montag, 18.02.13 eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus und einer Feldbefreiungsaktion zu 55 Tagessätzen verurteilt worden. 15 davon wird er in der JVA Rottenburg absitzen. Auf Blog NAU! veröffentlichen wir Karls Haft-Tagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Wer mag, kann Karl mit einer Patenschaft unterstützen und einen Tagessatz übernehmen. Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz, Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“. Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig, JVA, 72108 Rottenburg, Schloss 1.

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Mo. 18.2.2013
Hallo ihr da draußen,

allen, die heute bei der Mahnwache da waren und mich begleitet hatten herzlichen Dank. Es war ein tolles Bild mit all den Transparenten auf dem Marktplatz in Rottenburg und der Performance der Justizia, die auf beiden Augen blind ist. Danke auch für die kleinen Mitbringsel, die mir Mut machen sollen in den nächsten 15 Tagen. Der Demo-Zug vom Marktplatz hoch zu Justizvollzugsanstalt und die anschließende Mahnwache mit all den vielen Transparenten und der Justizia direkt vor dem Eingang zur JVA unterstrich meine „politische“ Aktion, auch stellvertretend für viele. Ich bin gespannt auf die Bilder und vielleicht auch auf die Berichte, die veröffentlicht werden. Diese werden mich bestimmt über den Postweg erreichen. „Nun Herr Braig, gehen Sie mal durch das Tor rechts am Haus,“ waren die letzten Worte in „Freiheit“, außer den persönlichen Verabschiedungsgrüßen meiner Mitstreiterinnen, die mir gut taten. Danke.

Die Angestellten der JVA hatten es nicht eilig, denn es dauerte eine ganze Weile, bis sich jemand zu mir im Innenhof gesellte und eine Erstuntersuchung nach Waffen, Messer und Alkohol durchführte. Mir fiel auf, dass der Angestellte unter anderem meinen Geldbeutel ungeöffnet einfach mitgenommen hatte und im Wächterhaus verschwand. Auf meinen Hinweis hin, dass er doch bitte das Geld in dem Geldbeutel lassen sollte, lächelte er und vermittelte mir, dass ich keine Angst haben brauche. Er brachte die Utensilien später in einer Plastiktüte zurück. Ein zweiter Angestellter führte mich dann zu den Einkleidungsräumen, wo man alles abgeben muss – außer man hat 7 U-Hosen, 7 U-Hemden und 7 Paar Socken dabei – und bekommt alles komplett neu. Meine Bücher und Schreibutensilien konnte ich komplett mitnehmen – außer meine gekauften Briefmarken, die sie mir alle weggenommen hatten, so dass ich darauf angewiesen bin, Briefmarken (0,58 €) von außen zu bekommen. weiterlesen


Besuch im Hambacher Forst

20130214-DSC_7446Die Strecke zum Hambacher Forst ist nicht sehr weit. Es sind knapp 380 km, also noch ein kleines bisschen weiter als bis nach Köln, der nächsten Großstadt. Ich bin sehr froh, dass ich diese Strecke hinter mich gebracht habe, um zu schauen, was dort los ist. Bisher habe ich nur sehr sehr wenig vom Rheinischen Braunkohlerevier gehört oder gelesen. Klar, als im letzten Herbst die Waldbesetzer im Hambacher Forst geräumt wurden, habe ich natürlich ein bisschen genauer hingehorcht, aber mehr, als dass dort gegen die Rodung im Rahmen des Braunkohleabbaus protestiert wird habe ich auch nicht wirklich erfahren. Also bin ich zusammen mit Julia, die als Referentin zu einer Veranstaltung der dortigen AktivistInnen über Repression eingeladen war, und Thomas hochgefahren.

20130213-DSC_7328Wir machten Halt in dem kleinen Dörfchen Morschenich, knapp 500 Einwohner. Morschenich wird wie viele andere Dörfer und Siedlungen dem Braunkohleabbau zum Opfer fallen. Die Umsiedlungpläne sind schon ausgearbeitet und „einvernehmlich“ mit RWE und den Bewohnern beschlossen. In den nächsten 10 Jahren wird, natürlich von RWE finanziert, in ein paar Kilometer weiter Neu-Morschnenich gebaut und die Einwohner haben genug Zeit umzuziehen. Dann wird das Dorf „geschliffen“. Es war schon ein seltsames Gefühl durch die leeren Straßen des Dorfes zu Laufen. Leer weil es einfach ein kleines Dorf ist, in dem nicht viel los ist, aber mit dem Wissen, 20130213-DSC_7344dass in ca 10 Jahren hier ein braunes Loch sein soll, war diese Leere schwer und drückend. Auch habe ich Wut gespürt. Nicht weil das Dorf außerordentlich schön ist, es ist ein einfaches nettes, kleines, lauschiges Dörfchen. Und eben deshalb die Wut. Es wurde von Menschen gebaut, wird gepflegt, belebt und mit sicherheit auch als Heimat geliebt. Und dann kommt RWE, und will an die Kohle. Das Dorf stört. Das Dorf muss weg.

Respektlosigkeit allerhöchster Klasse!

Respektlosigkeit gegenüber der Natur! Es wurden und werden tausende von Bäumen gefällt, der Lebensraum von noch mehr Tieren wird zerstört!

Respektlosigkeit gegenüber der Menschen auf dem Land, die in Dörfern wohnen ,die zum Teil mehrere hundert Jahre alt sind, und die rumgeschubst werden und den Baggern weichen sollen!

Zudem werden noch Autobahnen und Bahnlinien verlegt. Es ist sogar vorgekommen, dass ein Dorf zweimal umgesiedelt worden ist, weil unter der ersten Neusiedlung auch Braunkohle war!

Nich zu vergessen, was die Folge des Verbrennens der ganzen abgbauten Kohle für das Weltklima hat!

Und das alles, weil es sich lohnt Braunkohle abzubauen? Da werden wir doch gründlich verarscht!

20130214-DSC_7425Als wir dann am Donnerstag morgen zum Abbruchkante des Tagebaus gegangen sind war ich schließlich komplett sprachlos. Meine Vorstellungen des Ausmaßes der Zerstörung kam nicht einmal ansatzweiße an die Realität ran. Wetterbedingt war bis zum Horizont nichts anderes zu sehen als ein riesenhaftes tiefes braunes Loch. Ein wenig mehr als ein Duzend der größten Bagger, die es überhaupt gibt, tümmeln sich in der Grube. Trotz ihrer unglaublichen Maße, bis zu zweihundert Meter lang und fast einhundert Meter hoch, 20130214-DSC_7427sehen sie aus wie Spielzeug in einem Sandkasten. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was für Dimensionen der Tagebau dort hat.

Und das ist nur eins von drei Braunkohlerevieren in dieser Gegend!

Zu guter letzt statteten wir noch dem neuen Protest-Camp einen Besuch ab, dass 3 Tage nach der Räumung des Camps im Hambacher Forst auf einer am Wald gelegenen Wiese unweit von Morschenich aufgebaut wurde. Dort formieren sich mutige und entschlossene Menschen neu, um dem Riesen RWE Paroli zu bieten und um gegen die Unglaublichkeit zu kämpfen die hier stattfindet.

20130214-DSC_7439Schaut auf http://hambacherforst.blogsport.de/ für mehr Informationen zum Thema und fahrt dorthin, um unsere FreundInnen und MitstreiterInnen vor Ort zu unterstützen!


Bilder von Karls Haftantritt


Haftantritt eines S21-Gegners am kommenden Montag in Rottenburg – Hafttagebuch auf Blog NAU

20120918-_DSC4851Am Montag, 18.2. tritt Karl als zweiter S21-Gegner seine Haft in der JVA Rottenburg an. Hier auf Blog NAU werden wir wieder sein Hafttagebuch veröffentlichen. Schon letztes Jahr hatten wir hier das Hafttagebuch von Mark veröffentlicht, der aus den selben Gründen wie Karl ins Gefängnis musste. Hier Karls Erklärung zu seinem Haftantritt:

Hallo liebe Mitstreiterin und Mitstreiter für eine grundsätzlichere Veränderung unserer politischen Rahmenbedingungen.

Wie du/sie in dem unteren Artikel lesen könnt, werde ich am kommenden Montag für 15 Tage in den Knast gehen müssen. Ich sehe diese Aktion als ein Beitrag auf eine Entwicklung aufmerksam zu machen, gegen die ich seit ca 4 Jahren intensiv mit vielen Mitstreiterinnen kämpfe.
Am kommenden Montag, 18.2. werde ich ab 12 Uhr in Rottenburg/Neckar auf dem Marktplatz mit mehreren Mitstreiterinnen eine Mahnwache mit Redebeiträgen abhalten und anschließend in einem kleinen Demonstrationszug zur Justizvollzugsanstalt ziehen, wo ich mich dann für 15 Tage verabschiede.- Im Anhang hat Uli – vielen Dank – eine Postkartenaktion entworfen, 2 Seiten.
Für Interessentinnen: Abfahrt, Stuttgart Hbf, 10:18 Uhr,Gleis 4,RE 19037
Vorschlag Treffpunkt : 10:05 Uhr Stuttgart Hbf , am Prellbock von Gleis 4

mit solidarischen Grüßen
oben bleiben – gemeinsam schaffen wir es
Karl

Solipostkarte als PDF zum Download postkarte knast.pdf, 2 seiten

Verfassungsbeschwerde als PDF zum Download: Verfassungsbeschwerde von Karl 2012-07-25

Karls Eingangsstatement für den Berufungsprozess als PDF zum Download: Karls Statement Proz. im Landgericht wegen Nordflügelbesetzung

Karls Erklärung zum Haftantritt:

„ Baustopp selber machen“
Haftantritt für Stuttgart 21 Gegner am 18.2.2013
Am 26.Juli 2010 besetzen Stuttgart 21-GegnerInnen den zum Abriss freigegeben, unter Denkmal stehenden Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs. Das Amtsgericht, das Landgericht und das Oberlandesgericht verurteilten ihn zu 55 Tagessätze a15.-€ wegen „Hausfriedensbruch“. Bei dieser Gesamtstrafe wurde noch eine Strafe wegen einer Feldbefreiungsaktion von genmanipulierten Amflorakartoffeln mit einbezogen. Solche Widerstandsaktionen trugen mit dazu bei, dass die Firma BASF sich aus dem Anbau von genmanipulierten Kartoffeln in Europa zurückzieht.
Karl legte Verfassungsbeschwerde ein, die noch nicht beschieden ist. Er entschied sich, die Strafe nicht zu bezahlen. Nun s20130122-DSC_6090teht ihm die Haft bevor.
Am 18.2.2013 wird Karl bei der JVA Rottenburg die Haft antreten:„ Solche Großprojekte, die von den Lobbyisten der Wirtschafts- und Finanzwelt gegen jede Vernunft den Menschen aufgezwungen werden, dürfen wir nicht akzeptieren. Diese Großprojekte sind unnötig und in diesem Fall verursachen sie Zerstörung von Kulturgut und Lebensräume und sollen einen der leistungsstärksten Bahnhöfe in Deutschland in einen weitaus weniger leistungsfähigen Tunnelbahnhof mit Inkaufnahme der Risiken für das Mineralwasser und des Bauuntergrundes mit über 10 Millarden € finanziert werden. Mit vielen MitstreiterInnen protestierten wir mit dieser Aktion dagegen. Dazu stehe ich auch heute noch unverändert. kommentiert Karl seine Ladung zum Haftantritt.

Unterstützungsmöglichkeiten:
– Seid Sand im Getriebe der Machenschaften der Wirtschafts- und Finanzwelt.
– Unterstützt alle weiteren AktivistInnen lokal, national und international.
– Verteilt diese Infos nach euren Möglichkeiten in euerm Umfeld
– Unterstützt Karl mit einer Patenschaft und übernehmt einen Tagessatz.
Rechtshilfefonds Kritisches Stuttgart, Rechtsanwalt M. Mauz,
Kto.Nr. 7018242800 BLZ 430 609 67, GLS-Bank, Motto: „Karl“

Mehr Infos und das Hafttagebuch von Karl auf Blog NAU und bei abriss aufstand http://www.bei-abriss-aufstand.de/
Seine Adresse in der Justizvollzugsanstalt: Karl Braig , JVA , 72108 Rottenburg, Schloss 1


„Ihr könnt uns nicht so einfach wegschlichten + wegbürgerbeteiligen!“ – meine Rede bei der Mahnwache im Schlossgarten am 14.02.13

Vor etwa einer Stunde bin ich von einem Solidaritätsbesuch bei den WaldbesetzerInnen vom Hambacher Forst zurück gekommen. Und so ein Treffen mit anderen Widerstandsgruppen gibt einem auch gleichzeitig eine neue Perspektive zum eigenen Widerstand. Gestern war das „Drei-Monatige“ der Räumung im Hambacher Forst. Bei uns hier ist die Räumung jetzt ein Jahr her – wohlgemerkt die zweite Parkräumung.

20130214-DSC_7541Dort, beim Hambacher Forst, ging es nach vier Tagen Pause gleich weiter mit dem nächsten Camp. Und jetzt am Wochenende ist das erste Vernetzungstreffen mit den Bürger-Inis vor Ort. Erwartet werden 50 Menschen, was dort schon ein Erfolg wäre. 60 Menschen auf einer Demo gegen den Hambacher Tagebau sind schon viele, oft kommen nur 20, wurde mir dort berichtet. Obwohl es die Besetzung beim Hambacher Forst schon seit knapp einem Jahr gibt, ist die Widerstandsbewegung dort erst in ihren Anfängen.

Die Bewegung gegen S21 hat schon sehr früh ihre Leichtigkeit verloren, fort gespült mit Wasserwerfern, weggeknüppelt und dann weggeschlichtet. Aber wir sind trotzdem noch hier.

Der erste grüne Ministerpräsident hat unserem Widerstand scheinbar statt Wasserwerfern nur so etwas wie Hausdurchsuchungen nach dem 20.06.11 beschert – und Lippenbekenntnisse.

Letztes Jahr, nicht mal eine Woche vor der Parkräumung und der anschließenden Rodung hat MP Kretschammn zehn Parkschützer und zehn AnStifter zu einem exklusiven Gespräch geladen. Ich war auch dabei. Ein paar von uns hatten sich Hoffnungen gemacht, noch etwas stoppen zu können. Doch MP Kretschmann interessierte sich nicht für ihre Argumente. Seine Botschaft an uns war: Wenn wir weiterhin die Volksabstimmung nicht akzeptieren, würden wir uns in eine Richtung bewegen, die ihm große Sorgen bereite. Wir wären dann nämlich nicht mehr demokratisch.

Und was macht MP Kretschmann jetzt? Er sagt, er möchte keine Ausstiegsdebatte eröffnen. Dabei sind wir doch da schon mitten drin.

Dadurch, liebe aufmüpfige WiderständlerInnen, dass wir immer noch hier sind, dass wir uns weder durch Wasserwerfer und Hausdurchsuchungen noch durch Aufenthaltsverbote und andere Repressalien einschüchtern lassen, dadurch kann Stuttgart 21, ja können allgemein unnütze Großprojekte nicht mehr einfach so durchgezogen werden.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir weiterhin Präsenz zeigen und unsere Aktionen durchziehen. Denn so zeigen wir: Ihr könnt uns nicht einfach wegschlichten oder wegbürgerbeteiligen. Unser Widerstand geht weiter bis S21 gestoppt ist. Und egal was dann behauptet wird: Das Aus von Stuttgart 21 wird kein Verdienst von irgendwelchen Politikern sein. Oben bleiben!

P.S.: Danke an die Versorger + die Blockadegruppe und Ben für die Moderation! Und hier die Rede von Zwuckelmann.


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