Monatsarchiv: Oktober 2012

Peter Grohmann wird 100

Lieber Peter,

da gestern ja genug gelobhudelt wurde und schon wirklich jeder seinen Senf zu Deinem Jubiläum dazugegeben hat mache ich jetzt hier an dieser Stelle weiter.

Wir kennen uns ja leider erst seit knapp 2 Jahren, obwohl es sich anfühlt wie 20, nach all den Dingen die Du in dieser Zeit getan hast ( Stuttgart 21 gestoppt, die Eurokrise verhindert, die NATO entwaffnet, die Bundeswehr abgeschafft, Deine sehr gewagte Idee umgesetzt die arbeitslosen SoldatInnen zu ErzieherInnen umzuschulen… um nur ein paar Dinge zu nennen). Ich war zwar nicht immer dabei, aber wenn dies der Fall war, dann hats immer nen Riesenspaß gemacht! Es ist sehr beeindruckend, wie Du es schaffst Menschen zum lachen zu bringen, während Du wirklich ernste Themen anpackst. Eine Gabe, die Dich so einmalig und unverwechselbar macht.

Vielen Dank, Peter, für Dein unermüdliches Engagement und Deinen Spass an der Verbesserung dieser Welt!

Das einzige was ich nicht so ganz in Ordung finde ist, dass Du dem Obama seine Autoschlüssel versteckt hast. Gib sie ihm doch bitte wieder, der Arme sucht ganz verzweifelt in ganz Asien danach und stürzt sich in immense Unkosten dadurch, weil er denkt mit Drohnen würde er sie finden.

Ich freue mich auf weitere 100 spannende und aufregende Jahre mit Dir und lass Deine Finger überall im Spiel, wo noch Bedarf an Veränderung da ist. Wobei aus Angelas Handtäschchen kannst sie ja wieder rausnehmen, weil ich glaube die Quittung von der Doktorarbeit, die Du ihr geschieben hast wurde längst vom Verfassungsschutz geschreddert

Ecke weiter an, ärgere die Mächtigen, bring Unruhe in den Laden und stife weiter an!

Gehe weiter Deinen gewohnten Weg!

 

Herzlichst,

Dein Jens

P.S.: Heute Mittag hab ich leider den Stefan (Mappus) in der Sauna getroffen und er hat mir aufgetragen Dir auszurichten, dass er ganz traurig ist, weil er sich angeblich wegen Dir nicht mehr zu Mutti traut…keine Ahnung was der damit gemeint hat.

Zu guter Letzt habe ich in meinem Bilderarchiv noch ein paar Fotos von Deiner Geburtstagsfeier gestern und noch ein paar aus Deiner Kindheit gefunden:

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Betrachtet der „parteilose Bürger-OB“ etwa den parteilosen Bürger als Sicherheitsrisiko?

Heute konnte ich aus erster Hand erfahren, wie das Wahlkampfteam des sogenannten „parteilosen Bürger-OBs“ Sebastian Turner mit parteilosen Bürgern umgeht.  Was ich erlebt habe, lässt tief blicken. Was für eine Doppelmoral! Und ich hoffe sehr für unsere Stadt, dass uns diese Brezel erspart bleibt.

Heute Mittag hatte ich vor, Tickets für die große Turnveranstaltung zu besorgen. Da ich ein zuvorkommender Mensch bin, habe ich sogar vorher im Brezel-Büro angerufen, um meinen Besuch anzukündigen und um Tickets zurücklegen zu lassen. Die Frau mit der strengen Stimme am anderen Ende der Leitung wollte dann auch gleich wissen, ob ich CDU-Mitglied sei. Oder FDP- bzw. Freie-Wähler-Mitglied. Ich sagte ihr, dass ich genau wie auch Herr Turner parteilos wäre und dass ich als Bürgerin zu der Veranstaltung wolle, nicht wegen einer Partei. Das muss sie kurzzeitig überzeugt haben (dachte ich zumindest!), denn sie meinte, dass ich ja vorbeikommen könne. Ihr Kollege würde dann entscheiden, ob ich Tickets erhalte.

Also habe ich mich zum Brezel-Büro auf den Weg gemacht. Die offizielle Adresse ist Schloßstr. 47, direkt neben dem Larca-Laden. Es hat dann erstmal 10 Minuten gedauert, bis ich überhaupt den Eingang zum Büro gefunden habe. Für diejenigen, die mal vorbei schauen wollen: Man muss hoch zur Leuschnerstraße und dort, zwischen Hausnummer 12 und 14 (glaube ich), über den Hinterhof laufen. Das Büro ist von außen durch kein einiziges Schild gekennzeichnet. Komisch für ein „Bürgerbüro“ vom „Bürger-OB“.

Die Türe war offen, es gibt keinen Empfangsraum oder so. Also bin ich einfach in das Großraumbüro rein. Mehrere adrette junge Männer und eine ältere Frau (die genauso streng aussah, wie sie am Telefon klang), saßen an mehreren Tischen. Nur zwei der Männer blickten kurz neugierig von ihren Laptops auf. Es machte aber niemand Anstalten, mich zu begrüßen. Deshalb sagte ich in den Raum hinein, ich wolle die Tickets für die Veranstaltung morgen abholen. Die strenge Frau sagte daraufhin, dass das ja noch gar nicht geklärt wäre, ob ich überhaupt Tickets bekomme.

Dann fragte sie mich wieder, ob ich Parteimitglied sei. Ich wiederholte, dass ich genau wie Turner selbst kein Mitglied sei und es schon seltsam finde, dass ich als Parteilose benachteiligt hier benachteiligt werde. Dann sagte die Frau, wenn ich auf der Unterstützerliste im Internet stünde, könnte ich auch Tickets bekommen. Ansonsten wären ja noch 80% vom Marktplatz frei, der Rest sei nur der Sicherheitsbereich, für den man Tickets braucht.

Ich konstatierte daraufhin: Da ich kein Parteimitglied bin und nicht offen im Internet mit meinem Namen für Turner einstehe, bin ich also ein Sichertheitsrisiko und darf nicht in den Sicherheitsbereich. „Nein nein,“ beteuerten sie dann gleich zu zweit im Chor. Es ginge nur um die S21-Gegner, die man da nicht dabei haben wollte. Das würde ich doch verstehen. Klar, kann mir gut denken.  Aber die kommen zum Glück trotzdem. Und geturnt wird natürlich auch!

Mit seinem Ausschlusskriterium, nur CDU-, FDP-, Freie Wähler-Mitglieder und offene Turner-Unterstützer auf den Marktplatz zu lassen diskriminiert Turner aber nicht nur S21-Gegner, sondern die große Mehrheit aller Stuttgarter Bürger. Und so jemand nennt sich dann „parteiloser Bürger-OB“. Demnach sind „Bürger“ entweder Mitglied der CDU, FDP oder bei den Freien Wählern oder aber, sie bekennen sich öffentlich als Turner-Unterstützer.  Wer kann so etwas wollen/wählen?!


[Update] Schon wieder Hausdurchsuchung bei S21-Gegnern!

Da dachte ich eigentlich fast schon, die Hausdurchsungswelle würde wieder abebben – und mein Artikel für die Graswurzelrevolution wäre schon eher ein Resümée dieser Repressionspraxis. Doch wie konnte ich das überhaupt annehmen?! Als Zynikerin könnte man ja meinen: „Nachdem die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nicht mehr wegen des SS-Massakers in Sant’Anna di Stazzema ermittelt, sind ja wieder mehr Kapazitäten für die wahren Verbrecher frei.“Gestern war es dann schon wieder soweit: Eine weitere Hausdurchsuchung bei S21-Gegnern! Details folgen sicher noch im Laufe des Tages auf BAA.
[Update]: Am 24.10. schreibt die StN-online von einem Polizeibeamten, bei dem die Hausdurchsuchung stattgefunden hat. Das habe die Staatsanwaltschaft bestätigt. Er wird beschuldigt, Dienstgeheimnisse der Sicherheitsbehörden verraten zu haben. Es geht dabei um sogenannte Gefährdungslagebilder und Informationen zur Überwachung von S21-Gegnern, die Dieter Reicherter, Richter, a.D. öffentlich gemacht hatte.* Bei ihm gab es auch schon eine Hausdurchsuchung dazu.** Da waren Staatsanwaltschaft und StN leider schneller als die Betroffenen. Schade! Ich hätte sehr gerne zuerst ihre PM gelesen, bevor es in der Zeitung steht. Deutungshoheits-Ausgleich und so.

*Der Text Reicherters zur Überwachung der S21-GegnerInnen findet sich hier: www.bei-abriss-aufstand.de/2012/02/25/bespitzelt-der-verfassungsschutz-parkgebete/

**Dieter Reicherters Erklärung zu seiner Hausdurchsuchung ist hier nachzulesen: www.bei-abriss-aufstand.de/2012/07/15/hausdurch suchung-erklarung-von-richter-reicherter/


Zaungäste und Robocops

Gehört behelmte Polizei mittlerweile zum Stadtbild dazu?

23.10.2011 – Stuttgart

Vor über 2 Jahren, am 01.Mai 2010 in Berlin, habe ich zum ersten Mal behelmte und in voller Kampfmontur ausgerüstete PolizistInnen im Einsatz aus nächster Nähe miterlebt. Bei dieser mindestens bundesweit bekannenten revolutionären 1.Mai-Demonstration sicherlich nichts allzu Außergewöhnliches. Seit diesem Tag war ich bei sehr vielen weiteren Demonstrationen mit gleichzeitigem Polizeigroßeinsatz dabei.

Meinem persönlichen Gefühl nach hat sich die Zahl der Gelegenheiten, bei denen ich auf Bereitschaftspolizisten treffe, in den letzten 2 Jahren sehr erhöht. Natürlich hat das mit meinem Beruf als Fotojournalist zu tun und damit, dass ich solche Gelegenheiten in gewisser Weise auch suche. Doch als ich letzten Samstag in Göppingen bei der Gegendemonstration zu einem Naziaufmarsch war, ist mir aufgefallen, dass es da eine Gruppe gibt, deren Beteiligung am Geschehen mir vorher nicht so bewusst gewesen ist: die Zaungäste. Sie sind diejenigen, die neben den DemonstrantInnen auf der einen Seite, den PolizistInnen auf der anderen und den FotografInnen und JournalistInnen irgendwo dazwischen, mehr oder weniger zufällig vor Ort sind. Es ist die Gruppe der Schaulustigen, PassantInnen oder AnwohnerInnen. Gerade in Göppingen sind mir vermehrt Menschen begegnet, hauptsächlich solche, die mit Lederhosen oder Dirndl bekleidet waren, die schnurstracks zum Bahnhof gingen oder an einer Ecke standen und auf jemanden gewartet haben und dem Anschein nach so gut wie gar nicht auf das massive Polizeiaufgebot reagierten. Allenfalls haben sie ihren Unmut darüber nach außen getragen, dass sie nicht ohne Weiteres und ohne Umwege in Richtung Bahnhof gehen konnten, um von dort aus zum Stuttgarter Volksfest zu fahren. weiterlesen


Gestern habe ich ein Ehepaar aus dem S21-Widerstand (wir kennen uns seit den Blockaden 2010 vor dem jetzt abgerissenen Nordflügel des Hauptbahnhofs) getroffen. Sie berichteten mir von ihrem Zorn und ihrer Erschütterung über den Umgang mit Nazigegnern hier in Stuttgart und darüber, dass es die NPD hier so leicht hat. Sie fragten sich immer wieder, in was für einem Staat wir eigentlich lebten. Und trotzdem konnten ihre Nachbarn, denen sie von den Vorfällen am 30.7. im Vorfeld der NPD-Veranstaltung berichteten, nicht glauben, dass das tatsächlich passiert ist. Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, sich über diese Ignoranz oder die Unwissenheit zu ärgern. Es bringt auch nichts, sich nur über die Propaganda-Maschinerie zu beschweren. Nur wenn wir immer wieder auch versuchen, diejenigen zu erreichen, die sich das alles nicht einmal vorstellen können, wird sich am Umgang mit Nazigegner hier in Stuttgart und anderswo etwas ändern.
Ein Glück, dass zumindest die einund20 Berichte über die Kesselung ermöglicht: http://www.21einundzwanzig.de/index.php/september2012-leser-kopie/items/eingekesselt-oder-wie-ich-bei-der-demo-gegen-die-npd-verhaftet-wurde.html

kesselklage

In Bewegung bleiben!
Grundrechte verteidigen!

Ulm 2009, Heilbronn 2011, Stuttgart 2012
Das sind leider nicht die Tourdaten deiner Lieblingsband, sondern Daten, an denen die Polizei AntifaschistInnen, GewerkschafterInnen, also Menschen wie Du und Ich, ihrer Freiheit beraubt hatten, damit Nazis ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten konnten.

Du findest das nicht okay?
Wir auch nicht!
Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der sich die NPD bei Polizei und Ordnungsamt für ihre tatkräftige Unterstützung bedankt.
Trotz täglicher neuer Skandale wie NSU, Ku-Klux-Klan, Schredderüberlastung im Bundesamt für Verfassungschutz, sind Behörden und Polizei noch immer auf dem rechten Auge blind. Sie verfolgen lieber AntifaschistInnen und proben den Notstand.

Wir wehren uns! Wir vernetzen uns!
Wir schaffen Öffentlichkeit!
Die Klage gegen den Ulmer Kessel haben wir bereits gewonnen. Weitere Klagen laufen oder sind in Vorbereitung.

Du willst mehr darüber erfahren, dann beweg dich!

22.Oktober 2012, 19 Uhr
Linkes Zentrum Lilo Herrmann
Böblingerstraße 105, Stuttgart

Für…

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