Monatsarchiv: Mai 2012

Post aus dem Knast – Teil 1

Über Post aus dem Knast: Als erster Stuttgart 21 – Gegner hat Mark Pollmann vergangenen Freitag eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen angetreten. Er war wegen der Nordflügelbesetzung zum Protest gegen den Teilabriss des denkmalgeschützten Bonatzbaus zu 10 Tagessätzen verurteilt worden. Da er sich weder mit Geld noch mit Arbeitsstunden freikaufen wollte, musste er jetzt ins Gefängnis. Unter dem Titel „Post aus dem Knast“ veröffentlichen wir auf Blog NAU! sein Hafttagebuch, das er uns aus dem Gefängnis zuschickt. Bisher haben wir drei Briefe erhalten mit seinen Eindrücken von Freitag 25. bis Sonntag 27. Mai, die wir nach und nach abtippen werden. Wir nehmen keine redaktionellen Änderungen vor, außer dass wir den Text in Absätze gliedern.

25/5/2012 – Freitag – Beginn Knastaufenthalt

Nach einer Nacht mit gutem Schlaf, machte ich mich gegen 7:40h auf den Weg zum Nordausgang am ehemaligen Nordflügel, wo bereits einige, die mich verabschieden wollten, anwesend waren. Ich habe mich über die Anwesenden sehr gefreut und bekam einige Bücher geschenkt. Auch erste Interview-Anfragen beantwortete ich. Gegen 9 Uhr fuhren wir nach Rottenburg. Die im Auto anwesende StZ-Journalistin Frau Mayer interviewte mich während der Fahrt nach Rottenburg.

Auch in Rottenburg waren um 10h auf dem Marktplatz Mitstreiter unserer gemeinsamen Sache zugegen neben Journalisten und Kamerateams. Es hat mich unterstützt, dass so viele Menschen Anteil nehmen und die Wahl meiner Entscheidung zum Ableisten der Freiheitsstrafe gutheißen. Auch stand ich für Interviews und Bilder zur Verfügung – es war alles sehr öffentlich, für private Gespräche und Momente blieb kaum Zeit. weiterlesen

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S21-Gegner geht für 10 Tage in den Knast


Blockupy Frankfurt – two days in the Forbidden City

It almost seemed as if the City of Frankfurt, Hessian Police and, after all, any court up to the Federal Constitutional Court (in German: Bundesverfassungsgericht, BverfG) went paranoid and hysterical all together and at once. What seems quite obviously as escalating scare tactics for justifying the prohibition of the Blockupy days of action against the crisis regime of the European Union, is in its absurdity hard to top. Yet, those massive constrictions of constitutional right had to be explained towards the public somehow. Creative expression of opinions far from predictable well-ordered marches can be oh so threatening. Far more awkward state paranoia is merely possible. Shame on you, Frankfurt!

Frankfurt blocks itself

And so Frankfurt got into this self-decreed state of emergency for several days: Complete closure of the financial district. Several tram lines running with restricted service, several subway stations closed. Furthermore, Frankfurt citizens are instructed not to leave any waste containers or bulky waste in free accessible areas at their doorsteps from Thursday till Monday. The Frankfurt University closes two of its campuses: Campus Bockenheim and Campus Westend. Bankers are advised by policy only to wear casual clothes. Many of them are working at home office, some are even said to have taken refuge in Mannheim (which is about 90 km / 56 miles from Frankfurt).

Parents are suggested to better keep their children at home and not to take them to kindergarten if it is located in the city centre. More than half of the many ritzy stores are barricaded with chipboard. Finding a simple still accessible ATM might take you ages. Explanatory statements varying between “We cannot completely exclude violent riots during the next days”, “there is a big event in the city centre” and “there is a construction site”, even if there actually isn’t any. weiterlesen


Blockupy Frankfurt


Farbangriffe auf xenophobe Denkfallen!

In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai ist das Gebäude der Piusbrüder-Gemeinde in Stuttgart-Feuerbach mit Hilfe von Aktivisten etwas bunter geworden.

Farbangriff – Quelle: linksunten.indymedia

Es mag kreativere Möglichkeiten geben, seinen Protest zu zeigen, doch ohne diesen „Farbangriff“ hätte ich gar nicht mitbekommen, dass wieder ein rechtspopulistischer Vortrag bei den Piusbrüdern stattgefunden hat.

Der Referent Manfred Kleine-Hartlage ist übrigens ein Paradebeispiel für Sozialwissenschaftler, die ihr Fachwissen nicht einsetzen, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu erklären, sondern um diese Zusammenhänge zu verdrehen.

Wer diese Einschätzung selber überprüfen möchte,  findet hier ein Video von einem seiner rechtspopulistischen Vorträge. Ich habe mal begonnen, die Kausalitätsverdrehungen und Behauptungen mitzuzählen. Bei 13 habe ich dann schon wieder aufgehört, weil ich feststellen musste, dass der Vortrag einfach eine Aneinanderreihung selbiger ist. Im Vergleich dazu ist Samuel Huntingtons Argumentation zum Clash of Civilizations ja beinahe schon hoch intellektuell.

Ich wollte dann aber doch mal zumindest in der Kriminalitätsstatistik nachschauen, ob sich Kleine-Hartlages (und nicht nur seine!) Behauptung, dass die Kriminalitätsrate von Muslimen überdurchschnittlich hoch ist, nicht schnell und einfach widerlegen lässt. Dabei hatte ich ganz vergessen, dass Daten zur Religion dort kaum auftauchen werden.

Dafür ist mir dann etwas viel haarsträubenderes aufgefallen: In der aktuellen Strafverfolgungsstatistik des Statistischen Bundesamts gibt es insgesamt nur zwei Variablenpaare: männlich – weiblich und Deutsche – Ausländer! Abgesehen davon, dass die Berücksichtigung sozio-ökonomischer Faktoren viel aussagekräftiger wäre, kann man mit so einer oberflächlichen Aufteilung leicht in eine xenophobe Denkfalle geraten.  Wobei sich hier der Kreis schließt und wir wieder beim Rechtspopulismus angekommen wären.


Mappus weg. Ja und?

Jetzt ist es schon über ein Jahr her als ich mit mehreren zehntausend Menschen auf dem Schlossplatz stand und die in Erfüllung gegangenen „Mappus weg!“-Rufe feierte. Winfried Kretschmann…der erste grüne Ministerpräsident war „gekrönt“. Ich glaub von da oben sieht alles ziemlich winzig aus. S21 ist wohl kleiner als er vorher gedacht hat. Als dann die Verhinderung davon nicht mehr ganz so wichtig und dringend war, hieß es plötzlich „Kretschmann weg!“ und „Nie wieder grün!“.

Parkleitsystem für die Jubilare beim Haus der Architekten

Heute feiert Grün-Rot ein Jahr Koalitionsvertrag und ich bin sehr verwirrt und sauer. Ich habe vor über einem Jahr voller Überzeugung Grün angekreuzt. Aber was ich dafür bekommen habe, kann doch wirklich nicht alles gewesen sein: S21 nicht verhindert. Was haben die denn sonst so das ganze Jahr gemacht als S21 nicht zu verhindern? Ach ja…die Studiengebühren wurden abgeschafft! Das habe ich noch mitgekriegt. Was anderes fällt mir da gerade nicht ein. Aber vielleicht gibts da ja noch mehr, was gar nicht so übel ist. Mich würde es freuen…Es wäre ein weiterer Erflog der K21-Bewegung, neben der Abwahl von Schwarz-Gelb. Und ich hätte vor einem Jahr auf dem Schlossplatz nicht ganz so umsonst gejubelt.


Senioren 2.0

Dass zwischen der heutige Generation 60+ und den beige gekleideten verhutzelten Mütterchen (und Väterchen), die klischeegemäß ihre soziale Kontakte bei den regelmäßigen Kaffeefahrten pflegen, Welten und Jahrzehnte zu liegen scheinen, ist hoffentlich für niemanden eine Neuigkeit. Einem geringfügig kleineren Kreis dürfte außerdem bekannt sein, dass die „SeniorInnen gegen S21“ noch immer eine der aktivsten Gruppen in der Bewegung gegen Stuttgart 21 sind. Heute habe ich ihnen auch endlich ein Blog eingerichtet. Das Erscheinungsbild und der Stil werden sich – wie auch bei diesem Blog hier – sicher im Laufe der Zeit noch entwickeln und individualisieren. Der Falkner-Artikel war ja schon mal ein treffender Aufschlag von Ingrid. Bin sehr gespannt auf die nächsten Beiträge und darauf, wer sich noch dem Autorenteam des „Ältestenrats“ anschließen wird!


Sonne von schwarzem Loch gefressen

Disney's The Black Hole (1979)

Besser als etwas zu suchen, das nicht da ist…


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